Ausrüstung
GoPro vs. Insta360 X5 unter Wasser: warum ich wechselte
Alle fertig machen, heißt es an Bord, und dann: rein ins Wasser. Eine Bootsstunde von Dhigurah auf den Malediven liegen etwa zehn Boote, und alle sind wegen eines Walhais hier. Ich halte die Insta360 einfach vor mich und schaue nach unten. Da schwimmt der Walhai genau auf mich zu und gleitet unter mir hindurch. Hinter ihm kommen rund fünfzig Schnorchler und zehn Taucher, und überall sind Flossen, Hände und Arme. Auf ein Display schaue ich jetzt nicht, ich konzentriere mich aufs Schwimmen.
Falls du zwischen GoPro und Insta360 schwankst: Meine GoPro Hero 10 hat in Ägypten einen Tauchgang auf zwanzig Meter Tiefe nicht überlebt. Seit unserer Mauritius-Reise filme ich deshalb unter Wasser mit der Insta360 X5. Die GoPro liefert Videos und Fotos sofort im fertigen Format. Abends konnte ich sie anschauen und gleich an die Familie schicken.
Die Insta360 nimmt rundherum alles auf, und den Bildausschnitt lege ich erst hinterher fest. Von diesem Konzept bin ich begeistert. Diese tolle Möglichkeit kostet halt Zeit in der Bearbeitung: Mit einer Minute Video verbringe ich am Laptop schon mal zwanzig Minuten. Mehr als die Zeit stört mich die Bildqualität bei den Aufnahmen, die mir wichtig waren. Mit Übung und der richtigen Vorbereitung bekommt man aber sicher sehr gute Videos. Nebeneinander verglichen habe ich die beiden Kameras nie.
Was mir die Insta360 beim Walhai gebracht hat
Bei der Walhai-Tour ab Dhigurah hat mir die Insta360 aus zwei Gründen geholfen. Im Gedränge um die guten Plätze hätte ich keine Kamera vor mich halten und dabei noch am Display prüfen können, ob der Hai im Bild ist. Die Insta360 musste ich nur vor mich halten.
Freie Sicht hatte ich auf dieser Tour fast nie, meist war ein Arm oder ein Schnorchler zwischen mir und dem Tier. Auch dabei half die Insta360. Später am Laptop konnte ich den Bildausschnitt so wählen, dass keine oder nur sehr wenige Schnorchler zu sehen sind. Mit der GoPro geht das nicht.
Genauso war es bei den Mantas in der Hanifaru Bay, die wir von Maalhos aus besucht haben. Manchmal ist auf einer Aufnahme auch mehr drauf, als ich im Wasser bemerkt habe. Man will einen Manta aufnehmen und stellt später fest, dass da noch fünf andere waren. Die hat man dann auch auf Video. Aus den 360 Grad kann ich hinterher außerdem ein Video in sehr breitem Format schneiden, eine Art Panorama.
Was diese Möglichkeit kostet: die Nacharbeit
Aus der Insta360 kommt kein fertiges Video. Die Kamera speichert zwei runde Fischaugen-Bilder nebeneinander, so wie auf dem Titelbild dieses Artikels. Daraus schneide ich am Laptop mit dem Programm Insta360 Studio erst ein normales Video.
Das dauert sehr lange, weil ich im Video erst einmal finden muss, was ich eigentlich aufgenommen habe. Ich schaue mir die ganzen 360 Grad an, richte das Bild aus und schneide die Sequenzen. Dieses nachträgliche Festlegen des Bildausschnitts nennt Insta360 Reframing. Danach kommt noch ein Farbfilter dazu. So entstehen die zwanzig Minuten für eine Minute Video.
Von unserer Mauritius-Reise habe ich über 97 Gigabyte Rohmaterial mitgebracht. Vom Urlaub auf den Malediven im August waren es 379 Gigabyte, die Familienvideos eingerechnet. Prüfen und schneiden könnte ich die Videos auch schon im Urlaub am Handy. Nur setzt man sich abends nicht stundenlang zum Schneiden hin.
Aus einer Minute Video bekomme ich dafür ganz unterschiedliche Videos. Einmal ist nur das Tier zu sehen. Ein anderes Mal zeigt der Ausschnitt meine Partnerin und das Tier in der Weitsicht. Oder das Video beginnt beim Tier und schwenkt dann auf mich.
Die GoPro: sofort fertig, aber man muss zielen
Bei der GoPro muss nichts geschnitten werden. Man muss mit ihr aber zielen. Schwimmt einem dabei ein Fisch aus dem Bild, ist er weg. Ich habe mit der GoPro einige Fotos und Videos, auf denen ein Tier nicht ganz drauf ist oder Teile von anderen Schnorchlern im Bild sind. Ein solches Video lässt sich nicht mehr retten. Bei der Insta360 folge ich dem Fisch später im Bildausschnitt.
Den Manta vor Rasdhoo habe ich noch mit der GoPro gefilmt.
Farben unter Wasser
Die Farben meiner Hero 10 waren unter Wasser sehr grünstichig. Ohne Nachbearbeitung waren die Videos nicht so gut. Neuere GoPro-Modelle sollen das viel besser können, ausprobiert habe ich das nicht. Beim Tauchen am Ras Mohammed im Roten Meer kam die Hero 10 ab etwa fünfzehn Metern mit den Farben nicht mehr mit.
Der Farbstich kommt vom Wasser. Schon in anderthalb Metern Tiefe geht merklich Rot verloren, und in rund fünf Metern ist es fast verschwunden. So beschreibt es der Underwater Photography Guide, ein Fachportal für Unterwasserfotografie. Dabei zählt der ganze Weg des Lichts, also die Tiefe und dazu der Abstand zum Motiv.
Auch bei der Insta360 wende ich beim Schneiden einen Farbfilter an. Insta360 bietet dafür in der App und in Insta360 Studio eine Unterwasser-Farbkorrektur namens AquaVision an. Bei beiden Kameras gehört die Farbe für mich also zur Nacharbeit.
Das Tauchgehäuse der X5
Unter Wasser verwende ich immer das Tauchgehäuse, auch beim Schnorcheln. Ohne Gehäuse wäre im 360-Grad-Video eine Kante zwischen den Bildern der beiden Linsen zu sehen. Insta360 erklärt das im Handbuch mit den unterschiedlichen Brechungsindizes von Wasser und Luft. Das Licht wird unter Wasser anders gebrochen, und beim Zusammenfügen der beiden Bilder, dem Stitching, können dann Fehler entstehen. Für 360-Grad-Aufnahmen unter Wasser empfiehlt der Hersteller deshalb sein Tauchgehäuse.
Ich habe das Unsichtbare Tauchgehäuse Pro. Die Kamera erkennt es laut Insta360 von selbst und wechselt in den Tauchgehäuse-Modus, der das Stitching an das Gehäuse anpasst.
Mit diesem Gehäuse sind mir einige Videos misslungen. Meist waren es Reflexionen vom Sonnenlicht, sogenannte Lens Flares, wenn das Licht in einem ungünstigen Winkel einfiel. Auf den Hilfeseiten von Insta360 steht zum Pro-Gehäuse, dass bei starkem Licht ein leichter, heller Lichtbogen entstehen kann. Der Hersteller rät, unter Wasser nicht in starke Lichtquellen zu filmen. Bemerkt habe ich die Reflexionen leider erst zu Hause.
Ich prüfe das Gehäuse jeden Tag. Ich schaue, ob alles sauber und dicht ist und ob die Plättchen drin liegen, die die Luftfeuchtigkeit im Gehäuse aufnehmen. Dem Gehäuse liegen zwölf dieser Antibeschlag-Einlagen bei.
Die Bildqualität: hier braucht es Übung
Die lange Bearbeitung ist etwas nervig. Ein echter Nachteil ist sie für mich nicht, weil ich aus einer Aufnahme so viel herausholen kann. Wirklich störend finde ich die Bildqualität. Bei fast allen Aufnahmen, die mir wichtig waren, habe ich die schlechteste Bildqualität: beim Walhai, in der Hanifaru Bay, bei den Mantas an der Putzerstation und bei den Delfinen auf Mauritius.
Das kann man ganz sicher besser hinbekommen. Bei der Insta360 braucht man Übung. Man muss sich um das Equipment kümmern und sich auf jede Situation einstellen. Als Amateurfilmer, der seine Ausrüstung ein- bis zweimal im Jahr benutzt, gelingt mir das bisher nicht. Mit mehr Übung würde ich sicher bei der Insta360 bleiben.
Meine Einstellung: 8K, kein HDR
Den ganzen Malediven-Urlaub im August habe ich in 8K gefilmt, ohne HDR. Insta360 empfiehlt 8K mit 30 Bildern pro Sekunde für gutes Licht. Die Funktion Active HDR läuft laut Hersteller in 8K gar nicht.
Gut zu wissen: GoPro und Insta360 beim Schnorcheln
- Ohne Gehäuse: Die X5 ist laut Handbuch bis 15 Meter wasserdicht, der Linsenschutz muss vorher ab. Die GoPro Hero 10 ist laut Handbuch ohne Schutzgehäuse bis 10 Meter wasserdicht und mit Schutzgehäuse bis 60 Meter.
- Tauchtiefe der Gehäuse: Das Pro-Gehäuse der X5 ist bis 50 Meter dicht, das einfache Tauchgehäuse bis 60 Meter.
- Rotfilter: Das Fachportal DivePhotoGuide rät bei der GoPro erst unterhalb von drei Metern zu einem Filter. Beim Schnorcheln an der Oberfläche braucht man ihn nicht.
- Antibeschlag-Einlagen: Insta360 rät, jede Einlage höchstens viermal zu trocknen und wiederzuverwenden.
- Was sonst noch mitkommt: steht bei meiner Ausrüstung.
Mein Fazit
Vom Konzept der Insta360 bin ich begeistert, aber ob ich bei ihr bleibe, weiß ich noch nicht. Mit schlechter Bildqualität aus dem Urlaub zu kommen, ist frustrierend, und vielleicht probiere ich einmal ein anderes Produkt aus. Wenn du dich für die Insta360 entscheidest, plane Zeit für die Bearbeitung ein und übe vorher mit der Kamera. Dann bekommst du sicher sehr gute Videos.
Von der Bootstour zum Crystal Rock auf Mauritius erzähle ich noch in einem eigenen Artikel.