Reisebericht
Mit Mantas schnorcheln auf Rasdhoo: meine erste Begegnung
Zehn Meter unter mir kippt der Manta die Flügelspitzen um ein paar Grad, und auf einmal kommt er direkt auf mich zu. Ich halte die Luft schon an, seit ich abgetaucht bin. Jetzt halte ich sie noch ein bisschen fester.
Aber der Reihe nach.
Gebucht hatten wir eine Bootstour mit mehreren Stationen über unser Hotel auf Rasdhoo, einer Lokalinsel mitten in den Malediven, das Summer Vibes Beach Front, mit dem wir wirklich rundum zufrieden waren. Schon beim Buchen hatte man uns sehr fair gesagt, woran wir sind: Es ist nicht Mantasaison, gut möglich, dass wir keinen einzigen sehen. Frühstück, Flossen, ab aufs Boot. Und ich merke, wie sich dieses Kribbeln trotzdem nicht abstellen lässt, wenn irgendwo da draußen vielleicht einer wartet.
Eine halbe Bootsstunde später der erste Stopp. Ein paar Boote liegen schon da, aber im Wasser sind wir vielleicht zu zehnt (in Ägypten drängeln sich an so einer Stelle fünfzig, achtzig Leute übereinander). Schnorchel in den Mund, Kopf unter Wasser. Und da, weit unten und schon wieder weg: ein einzelner Flügelschlag, kaum als Manta zu erkennen. Ich strample hinterher, so schnell die Flossen tragen. Aber da ist nichts mehr. Nur Blau, das nach unten immer dunkler wird. Zurück aufs Boot.
Der Guide klettert nach vorne auf die Bootsspitze und späht ins Wasser, während wir langsam die Riffkante abtuckern. Einmal hält das Boot an. Nichts. Noch einmal. Nichts. Ich fange schon an, mich mit dem „vielleicht heute nicht” abzufinden. Und genau da kommt sein Ruf: Ins Wasser, schnell! Wir lassen uns so vorsichtig über den Rand gleiten, keine Hektik, kein Platschen, keine Unruhe im Wasser. Der Motor verstummt. Ich weiß genau, wonach ich suche: nach einer großen, ruhigen Bewegung da unten; der Guide hat ja von Mantas gesprochen. Und ich sehe ihn sofort. Das ist ein Manta.
Mein erster. Für einen Schnorchler liegt er tief, gut zehn Meter unter der Oberfläche. Das Wasser ist so klar und warm, dass das Sonnenlicht in hellen Bändern bis zu ihm hinunterreicht. Je länger ich auf ihn hinabschaue, desto weniger will ich glauben, wie groß er ist: gut vier Meter von einer Flügelspitze zur anderen, ein flaches dunkles Segel, das sich einfach nur trägt. Kein einziger hektischer Schlag. Er hat alle Zeit der Welt. Ich habe genau eine Lunge voll.
Ich hole tief Luft und tauche ab. Das Wasser legt sich enger um mich, der Druck meldet sich auf den Ohren, und mit jedem Meter wird er größer. Von oben ist er nur ein dunkler Rücken. Dann dreht er, in meine Richtung, und dabei kippt seine helle Unterseite ins Licht, weiße Konturen, wo eben noch die dunkle Oberseite war. Oh Mann, denke ich, jetzt kommt er direkt auf mich zu. Und dann ist da nur noch er. So ruhig, so nah. Für ein paar Sekunden gibt es nichts mehr außer diesem Tier und mir. Kein Boot, kein Oben. Dann ist die Luft alle, und ich muss hoch.
Also wieder runter. Und wieder. Ein paar Sekunden neben ihm, zurück an die Oberfläche, Luft holen, abtauchen. Irgendwann sinkt er tiefer, als ich es gewohnt bin; ich muss auf dem Weg nach unten zweimal die Ohren freidrücken, und wenn ich endlich ankomme, bleibt kaum noch Luft für den Moment, für den ich gekommen bin. Das ist das Einzige, was mich wurmt: dass meine Luft nie reicht. Ich würde so gern länger unten bleiben, einfach neben ihm treiben, statt nach ein paar Sekunden wieder hochzumüssen. Und trotzdem macht mich schon dieses bisschen Zeit jedes Mal glücklich, und sei es für drei Herzschläge.
Nach gut zwanzig Minuten zieht er seine letzten Runden und gleitet dann ohne Eile davon, hinaus, wo das Blau keinen Boden mehr hat. Wir klettern zurück aufs Boot, außer Atem, und beugen uns über die kleinen Kamera-Displays, um zu sehen, ob das gerade wirklich passiert ist. An einem Tag, an dem uns niemand irgendetwas versprochen hatte.
Man soll mit nichts rechnen, heißt es. Und ausgerechnet dann kommt das Größte.
Zehn Leute im Wasser — das ist der halbe Unterschied
Der Satz oben über Ägypten war keine Übertreibung. Was einen Manta-Stopp trägt oder kaputtmacht, ist nicht nur das Tier, sondern wie viele Menschen gleichzeitig darauf zuschwimmen. Bei uns waren es rund zehn, verteilt über eine Riffkante. Niemand drängelte, niemand tauchte dem Tier hinterher, und der Guide ließ uns einzeln und ohne Platschen ins Wasser.
Wie das Gegenteil aussieht, habe ich ein Jahr später vor Dhigurah erlebt, einer anderen Insel der Malediven, bei einer Walhai-Tour: fünf Meter Tier, fünfzig Schnorchler. Das Tier war großartig, der Rest war eine Menschenwand. Seitdem frage ich vor jeder Buchung nach der Gruppengröße — das ist die eine Frage, die mehr über den Tag verrät als jede Beschreibung.
Rasdhoo hat mehr als Mantas
Wir waren an dem Tag mit dem Boot draußen, weil im April kaum ein Weg daran vorbeiführt. Am Hausriff der Insel selbst, keine hundert Meter vom Strand, gibt es dagegen jeden Tag etwas zu sehen: Dort stand am Ankunftstag mein erster Hai vor mir, und dort ziehen Schwarzspitzen-Riffhaie bis ins flache Wasser. Zehn Bootsminuten entfernt liegt das Turtle Reef mit seinen Schildkröten — wie dieser Tag ablief, steht in Schnorcheln mit Schildkröten.
Und eines habe ich erst später gelernt: Im August zog am selben Hausriff jeden Morgen ein Riffmanta vorbei — ganz ohne Boot, ganz ohne Tour. Im April mussten wir dafür hinausfahren und hatten Glück. Die Messwerte beider Male stehen nebeneinander auf der Inselseite zu Rasdhoo.
Gut zu wissen: Manta-Schnorcheln bei Rasdhoo
- Wo: Rasdhoo, Lokalinsel im Rasdhoo-Atoll (Malediven). Die Manta-Spots liegen auf unserer Tour rund eine halbe Bootsstunde entfernt.
- Bedingungen (April 2025): 29 Grad Wassertemperatur, über 20 Meter Sicht. Der Manta lag gut zehn Meter unter der Oberfläche. Werte aus meinem Logbuch.
- Beste Zeit (Manta-Saison): Für Rasdhoo und das Ari-Atoll gilt grob November bis April als Manta-Zeit. Dann treibt der Nordost-Monsun das Plankton an die Westseite der Atolle; die Sicht ist von Januar bis März besonders klar. Von Mai bis Oktober stehen die Chancen an der Westseite schlechter. Garantiert ist trotzdem nichts: Uns wurde ehrlich gesagt, es sei gerade nicht die beste Zeit, und wir hatten trotzdem Glück. Am besten vorher beim Hotel oder Tauchcenter nach der aktuellen Lage fragen.
- Wie es ablief: Der Guide sucht vom Bootsbug aus mehrere Stellen ab; erst wenn ein Manta gesichtet ist, geht es ruhig und ohne Hektik ins Wasser.
- Tiefe: Für Schnorchler liegen Mantas oft recht tief (bei uns rund zehn Meter). Mehrfaches Abtauchen mit Luftanhalten gehört dazu.
- Andrang: An unserem Spot waren rund zehn Schnorchler im Wasser, spürbar entspannter als an stark besuchten Spots im Roten Meer. Frag vor der Buchung nach der Gruppengröße — siehe Walhai-Tour ab Dhigurah.
- Luft anhalten: Wer den Manta aus der Nähe sehen will, muss abtauchen können. Meine Ausrüstung ist dafür bewusst schlicht — viel hilft hier nicht viel.
- Ohne Boot: Im August zieht am Hausriff morgens ein Riffmanta vorbei, direkt vom Strand aus erreichbar. Im April ging es nur mit Tour.
- Wenn Haie dich beschäftigen: Am selben Hausriff hatte ich meine erste Begegnung — „Mein erster Hai”.
- Die ganze Reise: Rasdhoo und Fulidhoo in einer Woche — Reisebericht; alle Inseln und Jahreszeiten im Reiseziel-Blatt Malediven.