Reisebericht
Hanifaru Bay auf den Malediven: Manta-Saison und fünfzig Mantas im Wasser
Erst ein wenig an der Oberfläche entlang, und dann sieht man die ersten Mantas, und ist schon glücklich. Danach immer mehr, im Formationsflug unter einem hindurch, Loopings direkt darunter. Ich sehe die helle Unterseite und ziehe Arme und Beine an den Körper, weil sie so dicht kommen, dass ich sonst im Weg bin.
Dann tauche ich ab, mitten in den Schwarm. Der Guide hat es erlaubt. Ich halte still, bin einfach da, und die riesigen Tiere weichen mir aus. Nie hektisch, ein kleiner Kurswechsel, das war’s. Zwei schwimmen aufeinander zu und machen im letzten Moment beide einen Looping. Mehr als fünf Zentimeter Platz ist da nicht zwischen ihnen.
Wann ist Manta-Saison in der Hanifaru Bay? Von Mai bis November, die größten Ansammlungen kommen von Juli bis Oktober, und innerhalb der Saison sind die Tage um Voll- und Neumond die stärksten. Wir waren am 14. August 2026 dort und hatten rund fünfzig Mantas bei der schlechtesten Sicht der ganzen Reise. Das gehört zusammen: Trübes Wasser ist in der Hanifaru Bay das Zeichen, dass Futter da ist, und mit dem Futter kommen die Mantas. Wer auf den Malediven Mantas sehen will, sollte diesen Nachmittag einplanen.
Auf einen Blick
| Wo | Hanifaru Bay im Baa-Atoll, Malediven; das ganze Atoll ist UNESCO-Biosphärenreservat |
| Anreise | rund 20 Minuten mit dem Boot ab Maalhos, einer Einheimischeninsel im selben Atoll |
| Saison | Mai bis November, die größten Ansammlungen Juli bis Oktober (Snorkeling Report, Stand 05/2024); am stärksten um Voll- und Neumond |
| Einstieg | vom Boot, geschnorchelt wird an der Oberfläche; Tauchen ist verboten, kurz abtauchen nur nach Absprache mit dem Guide |
| Zeit im Wasser | höchstens 45 Minuten |
| Aufsicht | Ranger; erlaubt sind höchstens 80 Schnorchler gleichzeitig im Wasser (Managementplan der Regierung) |
| Verboten | Tauchen, Teleskopstangen an der Kamera, Anfassen |
| Preis ab Maalhos | nicht notiert; Ausflüge dort teils halb so teuer wie auf den anderen Inseln (2026) |
| Preis ab Kamadhoo | 144 US-Dollar pro Person für zwei Stunden, ab zwei Personen, plus 17 % Steuer und 10 % Bedienungsgeld (laut Preisliste der Unterkunft, August 2026) |
| Für wen | alle, die sicher mit Maske und Schnorchel treiben, auch Kinder |
| Unser Tag | 14.08.2026, 16 Uhr: rund 50 Mantas, Sicht rund 10 Meter, viel Plankton, 2 Meter Tiefe |
Inhalt
- Warum ist das Wasser in der Hanifaru Bay so trüb?
- Wie kommt man in die Hanifaru Bay?
- Wie nah kommen die Mantas?
- Wie voll ist die Bucht?
- Wann ist die beste Zeit für die Hanifaru Bay?
- Was kostet die Hanifaru-Tour?
- Kann man mit Kindern in die Hanifaru Bay?
- Gibt es Mantas auch außerhalb der Bucht?
- Mein Fazit
- Häufige Fragen
Warum ist das Wasser in der Hanifaru Bay so trüb?
Es war das Erlebnis der ganzen Reise, und die Reise hatte einiges zu bieten. Das Erstaunliche daran: Die Sicht war mit rund zehn Metern eine der schlechtesten, die ich in diesen zweieinhalb Wochen hatte.
In der Bucht stand so viel Plankton im Wasser, dass es sichtbar trüb war. Der starke Regen auf der Anfahrt hatte das Meer zusätzlich aufgewühlt. Und genau dieses Plankton ist der Grund, warum die Tiere da sind. Die Gezeiten drücken es in die Bucht, die Mantas kommen zum Fressen. Klares Wasser in der Hanifaru Bay hieße: kein Plankton. Und kein Plankton hieße: keine Mantas.
Wer also liest, die Sicht dort sei mäßig, hat die richtige Auskunft bekommen. Nur ist das kein Grund, wegzubleiben. An den Riffen derselben Woche lag die Sicht bei zwanzig Metern und mehr. Wie unterschiedlich das auf einer einzigen Reise ausfällt, steht im Artikel über schlechte Sicht beim Schnorcheln.
Wie kommt man in die Hanifaru Bay?
Wir wohnten auf Maalhos, einer kleinen Einheimischeninsel im Baa-Atoll der Malediven, in keinem Resort. Für die Bucht ist das ein Vorteil. Die Fahrt dauert nur zwanzig Minuten, der halbe Tag ist nicht weg.
Wir sind nachmittags losgefahren, der Himmel bedeckt, und kaum hatten wir den Hafen von Maalhos verlassen, fing es an zu regnen. Aber man ist ja auf den Malediven, um nass zu werden, und kalt war es auch nicht.
Dann erreichen wir die Bucht. Sehr langsam wird eingefahren, damit keine Tiere verletzt werden. Sie kommen bis knapp unter die Oberfläche. Wer hier mit Tempo hereinkäme, würde einem Manta über den Rücken fahren. Von oben ist der Bucht wenig anzusehen. Was sie ausmacht, bleibt unsichtbar, solange man das Gesicht nicht ins Wasser hält.
Auf dem Weg durch die Bucht werden wir eingewiesen: keine Teleskopstangen an der Kamera, nicht anfassen, und immer beim Guide bleiben. Die letzten beiden Punkte sind normal. Die Sache mit der Stange klang für mich vorher nach Bürokratie.
Wie nah kommen die Mantas?
So nah, dass ich die Stange im Wasser in der ersten Minute verstanden habe. Ein Stock, der einen Meter vor einem herfährt, trifft irgendwann etwas. Man hat dabei nicht das Gefühl, die Tiere zu stören. Sie ziehen ihre Bahnen, als wäre niemand da.
Manchmal wirkt es, als hätten sie sich zusammen einen Plan gemacht, wie sie das Meer systematisch nach Fressen durchpflügen. Fast immer schwimmen sie in Formation, nur selten ist ein Tier allein.
Wir waren dreißig bis vierzig Minuten im Wasser, und ich hatte vielleicht zwei Minuten lang keinen Manta im Blick. Es waren bestimmt fünfzig Tiere in der Bucht.
Für die Kamera heißt das: Sie gehört an die Hand oder an einen kurzen Griff, nicht an eine Verlängerung. Womit ich unterwegs bin, steht bei meiner Ausrüstung. Viel Zubehör braucht es hier ohnehin nicht, die Tiere kommen teilweise auf knapp einen Meter heran.
Wie voll ist die Bucht?
Alles wird von Rangern überwacht, und das finde ich sehr gut. Erlaubt sind höchstens achtzig Schnorchler gleichzeitig im Wasser, und an einem Tag sind die Resorts dran, am nächsten die lokalen Inseln.
Weil die Bucht groß ist, verteilt sich das. Es entsteht nicht das Chaos, das ich acht Tage vorher bei den Walhaien vor Dhigurah erlebt hatte, im South Ari Atoll. Dort waren wir zu fünfzig Schnorchlern hinter einem einzigen Tier her. Das war keine schöne Erfahrung.
Der Unterschied zwischen beiden Tagen ist die Regulierung. Wie es an anderen festen Stellen zugeht, steht bei der Ammenhai-Tour vor Fulidhoo und am Turtle Reef vor Rasdhoo.
Ruhig ist es in der Hanifaru Bay trotzdem nicht. Man teilt die Bucht mit anderen, man hält sich an eine Uhr, und man wird gezählt. Ich habe das keine Sekunde als Einschränkung empfunden. Ein einsames Riff ist es nicht.
Wann ist die beste Zeit für die Hanifaru Bay?
Um Voll- und Neumond laufen die Gezeiten am kräftigsten und drücken am meisten Plankton in die Bucht. Wer seine Reise legen kann, legt den Hanifaru-Tag in dieses Fenster.
Zum Vollmond hat man dazu eine gute Chance, in der Bucht auch Walhaie zu sehen. Das ist mein Tipp für die Bucht. Wir waren Mitte August dort und haben keinen gesehen.
Eine Garantie ist das alles nicht. Wir hatten einen Nachmittag mit fünfzig Tieren, es gibt Tage mit zweien und Tage ohne.
Was kostet die Hanifaru-Tour?
Ab Maalhos stand der Ausflug auf der Preisliste unserer Unterkunft mit 70 US-Dollar pro Person (August 2026). Wir haben für zwei Erwachsene und unseren Sohn zusammen 150 Euro bezahlt. Günstiger wurde es, weil unser Sohn im Boot blieb: Die Gebühr für das Schutzgebiet zahlt nur, wer ins Wasser geht. Zum Vergleich die Nachbarinsel: Ab Kamadhoo, ebenfalls im Baa-Atoll, kostete die Hanifaru-Tour laut Preisliste der Unterkunft im August 2026 144 US-Dollar pro Person für zwei Stunden, ab zwei Personen. Dazu kamen 17 Prozent Steuer und 10 Prozent Bedienungsgeld.
Auf Maalhos haben wir die meisten Ausflüge dieser Reise gemacht, und das hatte einen handfesten Grund. Die Preise lagen dort teilweise nur halb so hoch wie auf den anderen Inseln. Die Walhai-Tour ab Dhigurah zum Beispiel kostete neunzig US-Dollar pro Erwachsenem und fünfundvierzig fürs Kind.
Dass wir nah an der Bucht wohnten, hat uns vor allem Zeit gespart: Der Ausflug kostete einen Nachmittag, keinen ganzen Tag.
Kann man mit Kindern in die Hanifaru Bay?
Ja, wenn sie sicher schwimmen oder eine Weste tragen. Die Mantas sind harmlos, und die Guides haben wir als zuverlässig erlebt. Geschnorchelt wird an der Oberfläche, tief muss niemand, die Tiere kommen von unten herauf.
Unser Sohn blieb an diesem Tag trotzdem im Boot, und zwar nicht aus Angst vor den Mantas. Er hatte aufgekratzte Mückenstiche, und das Salzwasser brannte zu sehr. Pack deshalb Mückenschutz ein, ein Mittel gegen die Stiche und eines für danach. Dafür durfte er auf der Rückfahrt das Boot steuern, die ganze Strecke von Hanifaru zurück nach Maalhos. Vom Kapitän gab es ein großes Lob. Sein Höhepunkt des Tages war das Steuerrad.
Das gehört zu den Malediven mit Kindern dazu: Was für Erwachsene der Höhepunkt ist, muss es für ein Kind nicht sein. Auf Kamadhoo beginnt das Riff dreißig Meter vor dem Strand. Da haben Kinder und Erwachsene ihr Erlebnis direkt vor dem Strand: kurze Wege, kein Boot. Und wer keine Lust mehr hat, geht einfach raus.
Gibt es Mantas auch außerhalb der Bucht?
Ja, im ganzen Baa-Atoll. Einen Tag vor der Hanifaru Bay waren wir auf einer Zwei-Riff-Tour unterwegs. Auf dem Weg vom einen zum anderen Riff hielt das Boot mitten im offenen Meer an. An einer Putzstation waren Mantas gesichtet worden. Wir sind rein und haben tatsächlich einen Riffmanta gesehen, eine Viertelstunde lang.
Das war Zufall und keine gebuchte Leistung. Eine Putzstation ist etwas anderes als ein Planktonfeld: Dort halten die Mantas still und lassen sich von kleinen Fischen putzen, statt zu fressen.
Meinen allerersten Manta habe ich übrigens ein Jahr vorher vor Rasdhoo gesehen. Ein einzelnes Tier, und ich war danach tagelang nicht ansprechbar. Fünfzig auf einmal sind eine andere Größenordnung, aber der erste bleibt der erste.
Mein Fazit
Plan die Hanifaru Bay ein, wenn du zwischen Mai und November auf den Malediven bist, und wohn dafür im Baa-Atoll. Nimm ein Boot von einer Insel in der Nähe, dann kostet dich die Bucht einen Nachmittag und keinen ganzen Tag. Und wenn du es einrichten kannst, fahr um den Vollmond.
Häufige Fragen
Wann ist Manta-Saison in der Hanifaru Bay?
Von Mai bis November, die meisten Tiere kommen von Juli bis Oktober. Am stärksten ist es um Voll- und Neumond, wenn die Gezeiten das meiste Plankton in die Bucht drücken. Wir hatten Mitte August rund fünfzig Mantas.
Darf man in der Hanifaru Bay tauchen?
Nein, Tauchen ist verboten. Geschnorchelt wird an der Oberfläche, höchstens 45 Minuten lang und unter Aufsicht von Rangern. Kurz abtauchen durfte ich nur nach Absprache mit dem Guide.
Wie viele Mantas sieht man in der Hanifaru Bay?
Bei uns waren es rund fünfzig, und ich hatte vielleicht zwei Minuten lang keinen im Blick. Eine Garantie gibt es nicht, es gibt auch Tage mit wenigen Tieren oder keinem.
Sieht man in der Hanifaru Bay auch Walhaie?
In der Saison kommen auch Walhaie in die Bucht, am besten stehen die Chancen zum Vollmond. Wir haben Mitte August keinen gesehen.
Wie komme ich in die Hanifaru Bay?
Mit einem Ausflugsboot von einer Insel im Baa-Atoll. Von Maalhos aus dauert die Fahrt rund zwanzig Minuten.
Woher die Regeln stammen: Die achtzig Schnorchler, die fünfundvierzig Minuten und das Tauchverbot stehen im Managementplan der maledivischen Regierung für die Hanifaru Bay (2025–2030) (abgerufen im September 2026).
Woher die Angaben zur Saison stammen: Die Monate nennt der Snorkeling Report zur Hanifaru Bay (Stand Mai 2024). Dass die Mantas an gezeitengetriebenen Planktonfeldern fressen, ist untersucht, ich habe es nur gesehen: Studie zur Hanifaru Bay (PeerJ 2021, PMC) und Umweltfaktoren der Manta-Besuche auf den Malediven (PMC). Alle Inseln dieser Reise stehen im Reiseziel-Blatt Malediven.
Welche Insel sich auf den Malediven zum Schnorcheln am besten eignet, erzähle ich noch in einem eigenen Artikel.