Reisebericht
Crystal Rock auf Mauritius: die Bootstour ab Flic en Flac
Zwischen mir und dem Fels liegen fünfzig Meter Lagune im Südwesten von Mauritius. Das Boot hat davor geankert, in drei, vier Metern Wasser, von dort sind wir hinein, und jetzt schwimme ich hinüber. Kaum Wellen, kaum Strömung. Das Wasser ist warm, die Sonne steht hoch. Unter mir heller Sand in flachen Rippeln, so klar, dass ich jede einzelne sehe. Ich lasse mich treiben, am Horizont steht Le Morne. Dann nehme ich den Kopf unter Wasser, und das Bild kippt: unten der geriffelte Sand, oben der Fels über der Wasserlinie, beides gleichzeitig. Direkt vor der Maske hört die Welt auf und wird zu Stein.
Falls du die Tour gerade buchst: Der Crystal Rock ist ein Motiv, kein Schnorchelziel. Unter ihm liegt Sand. Geschnorchelt wird davor, an einem Feld runder Korallen in klarem Wasser, höchstens vier Meter tief, mit rund 20 Metern Sicht. Können muss man dafür nichts. Und wer nicht ins Wasser will, hat trotzdem einen Tag: zuerst die Delfine, dann den Fels und mittags das Grillen auf der Île aux Bénitiers. Wir waren zu zweit unterwegs, meine Frau und ich.
Am Fels lagen zwei andere Boote mit uns, ungefähr zehn Leute waren dort, und das Wasser reicht gerade bis zur Hüfte. Zu voll war es nicht. Der Fels ist so klein, dass kein Foto ohne Menschen gelingt. Mich hat das nicht gestört. Wer den Kopf ins Wasser steckt, hat ohnehin nur Sand, Licht und diesen einen Felsen im Bild.
Der Tag begann sonnig und fast ohne Wind, mit rund 45 Minuten Fahrt die Küste entlang. Die See war ruhig, und von draußen sah man die Insel gut. Zuerst die Delfine: eine Gruppe von etwa zwanzig, die Abstand hielt, vermutlich mit Jungen dabei. Wir gingen alle ins Wasser, Regeln nannte uns niemand. Die Delfine bestimmen ohnehin, was passiert: Sie kommen heran oder halten sich fern. Man hört sie zuerst, im Wasser, dann sieht man sie, trotz des Abstands gut. Dann tauchen sie unter uns durch, und so schnell, wie sie gekommen sind, sind sie wieder weg. Wir haben uns sehr gefreut, sie zu sehen und auch zu hören.
Danach fuhr das Boot an den Korallen-Stopp, näher am Strand und geschützter. Dort lege ich das Gesicht ins Wasser, und darunter steht ein ganzes Feld aus runden Blöcken, Kuppel neben Kuppel auf hellem Grund. Zwischen den Blöcken laufen helle Gassen, und die Sonne zeichnet ein zitterndes Netz auf den Sand. So kompakt haben wir diese kugeligen Formen vorher nirgends gesehen.
Etwa dreißig Minuten hatten wir hier, und es war ein sehr schöner, entspannter Stopp. Vom Schnorcheln an unserem Strand waren wir bis dahin eher enttäuscht gewesen, und hier war endlich ein klares Riff in klarem Wasser, mit bunten Fischen. Hornhechte und Kugelfische waren dabei, beides hatten wir sonst auf Mauritius nicht gesehen. An der tiefsten Stelle waren es etwa vier Meter, meist weniger.
Dann der Crystal Rock. Er steht mitten im Wasser, ohne Insel darunter, in der Lagune der Île aux Bénitiers, vor der Küste von Le Morne. Oben Gestrüpp, unten ist er schmaler als oben. Von der Seite sieht er aus, als läge er nur auf der Lagune auf. Unter Wasser ist er das, was er über Wasser ist: Fels auf sandigem Boden, hüfttief, und vom Ankerplatz aus schwimmt oder schnorchelt man ohne Mühe hinüber. Zwanzig Minuten hatten wir hier, und wir haben uns den Fels einfach angeschaut.
Mittags legten wir an der Île aux Bénitiers an, einer unbewohnten Insel vor der Küste bei La Gaulette. Viele Boote hatten dort zum Grillen festgemacht, und die Gäste verteilten sich über den ganzen Strand. Wir saßen mit den Leuten von unserem Boot unter einem Zelt, für uns, und so fühlte man sich nicht wie mitten unter all den anderen. Frisch gegrillt wurde für alle: Fisch und Hühnchen, dazu Salate und gegrillte Bananen, für meine Frau das Highlight des Menüs. Dazu ein Glas Wein und Gespräche mit Menschen, die man am Morgen noch nicht kannte, viele aus Frankreich, andere aus der Schweiz und aus Spanien. Es hat Spaß gemacht, dort entspannt zu sitzen und zu essen.
Zwei Stunden blieben uns dort. Manche gingen noch einmal schnorcheln, wir schlenderten am Strand entlang. Die Boote lagen einfach im Flachen, dahinter reichten die Bäume fast bis ans Wasser, und in ihrem Schatten standen ein paar kleine Verkaufsstände mit Früchten, Souvenirs und Kleidung. Zurück ging es am Nachmittag die Küste entlang, mit etwas mehr Wellen als am Morgen, aber nichts, was gestört hätte. Vom Wasser aus stehen die Berge direkt hinter dem Ufer, grün und steil bis fast an die Lagune heran, und Le Morne begleitete uns von der Seeseite, wie schon auf der Hinfahrt. Wir hatten noch einmal einen guten Blick auf die Insel. Es hat an diesem Tag alles funktioniert, und für uns beide war es ein rundes Erlebnis: die Delfine, der Crystal Rock und das Grillen am Strand. Mit einem guten Gefühl kamen wir am Nachmittag zurück, gingen abends essen und waren glücklich und zufrieden.
Ein Riff wie im Roten Meer hat diese Küste nicht. Mauritius liegt hinter einem durchgehenden Riff, und vom Strand aus bleibt einem die flache Lagune. Vom Strand vor Flic en Flac aus sieht man Sand und abgestorbene Koralle; am Korallen-Stopp der Bootstour war die Sicht viel besser als vor unserem Strand.
Gut zu wissen: Bootstour Crystal Rock ab Flic en Flac
- Ablauf: an unserem Tag sonnig und kaum Wind. Rund 45 Minuten Fahrt die Küste entlang, zuerst die Delfine, dann etwa dreißig Minuten am Korallen-Stopp, zwanzig Minuten am Crystal Rock, mittags zwei Stunden auf der Île aux Bénitiers, nachmittags zurück.
- Buchen: bei einem kleinen Anbieter an der Promenade von Flic en Flac, auf dem Weg zum Strand. Wir waren an einem Sonntag unterwegs, dem 1. Februar 2026, mit einem Motorboot und etwa zehn Gästen an Bord.
- Wo: Der Crystal Rock ragt in der Lagune der Île aux Bénitiers nur wenige Meter aus dem Wasser, nahe der Küste von Le Morne. Die Insel ist unbewohnt, liegt rund 500 Meter vor La Gaulette und ist zwei Kilometer lang. Le Morne Brabant ist 556 Meter hoch; seine Landschaft steht seit 2008 auf der Liste des Welterbes.
- Ausrüstung: Maske und Schnorchel reichen, das Wasser ist flach. Was ich sonst dabeihabe, steht bei meiner Ausrüstung.
- Kamera: Gefilmt habe ich mit der Insta360. Von den Delfinen gibt es kein Video, das man zeigen kann; warum, steht im Kamera-Artikel.
- Zum Vergleich: Mehr Tiere gibt es auf den Malediven. Wie es aussieht, wenn vor einem Strand nur Sand liegt, steht beim Bikini Beach von Fulidhoo. Alle Monate mit Wasserwerten für Mauritius: im Reiseziel-Blatt.
Mein Fazit
Fahr hin, wenn du einen entspannten Tag auf dem Wasser willst, mit einem Fels mitten in der Lagune. Die Fische findest du am Korallen-Stopp. Für uns gehörte der Tag zu den schöneren des Urlaubs, so wie ein Tag am Strand auf andere Art schön ist.
Von der Schildkröte vor Flic en Flac, die wir am Turtle Point getroffen haben, erzählt der Artikel zum Turtle Point.