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Ein junger Walhai zieht in voller Länge durch blaues Wasser, darüber schwimmen zwei Schnorchler an der Oberfläche.

Reisebericht

Fünf Meter Walhai, fünfzig Schnorchler: die Tour ab Dhigurah

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Ich schaue nach unten, Kamera an — und da schwimmt er direkt auf mich zu und unter mir durch. Was für ein wunderschönes Tier. Tolle Farben im Sonnenlicht. Seine Bewegungen sind so langsam und er trotzdem so schnell.

Fünf Meter lang — für einen Walhai ist das noch ein junges Tier.

Das war am 6. August 2026 bei Rangali Madivaru im South Ari Atoll, eine knappe Stunde mit dem Boot von Dhigurah — einer Einheimischeninsel auf den Malediven. Dhigurah ist die Insel für Bootstage. Vom Strand aus ist das Schnorcheln schwach, aber über Wasser ist sie eine der schönsten, die wir gesehen haben: ein sehr langer Strand unter Palmen, dahinter Wald, und eine Sandbank, die weit ins Türkis hinausläuft und aussieht, als wäre sie für Urlaubsfotos gebaut worden. Wer dort hinfährt, fährt wegen der Ausflüge — und bekommt die Insel obendrauf.

Ein Walhai zieht in voller Länge durchs Blau, darüber ein Freitaucher und mehrere Schnorchler an der Oberfläche.
Dafür kommt man her: fünf Meter Tier, eine Armlänge unter der Oberfläche.

Dann kommt der Rest.

Als ob einen ein Zug überfährt

Hinter dem Tier sind etwa fünfzig Schnorchler und zehn Taucher im Wasser. Sie rollen über uns drüber wie ein Zug. Es ist wie beim Zielsprint der Tour de France in Paris: Flossen, Hände, Arme, überall. Schrecklich.

Wir versuchen zu folgen. Manchmal erwische ich noch einen Blick auf den Hai, aber meist ist ein Arm im Weg oder ein Schnorchler direkt neben dem Tier. Für ein Foto oder ein Video habe ich fast nie freie Sicht. Nur als er die Richtung wechselt, kann ich ein paar Sekunden frei filmen.

Irgendwann wird es mir zu viel, und ich schwimme zurück zum Boot. Beim letzten Blick nach unten sehe ich, wie er langsam in die Tiefe abgleitet. Er hatte offenbar auch keine Lust mehr auf die Touristen.

Wie es dazu kam

Am Montag und Dienstag hatte kein einziger Anbieter ein Tier gesehen. Am Mittwoch wurde eines gesichtet — die Boote geben Sichtungen per Funk untereinander weiter — und wir dachten, dann riskieren wir es.

Eine knappe Stunde Fahrt bei kräftigem Wellengang. Dann stehen am Horizont schon etwa zehn Boote. Alle fertig machen. Brille auf, Flossen an. Walhaie schwimmen meist gegen die Strömung, deshalb werden wir vor ihm ins Wasser gelassen.

Unsere Guides hatten uns vor der Buchung fair gesagt, dass es voll wird. Ich hatte auch selbst Videos davon gesehen. Ich habe trotzdem auf das Beste gehofft — das gehört zur Ehrlichkeit dazu.

Niemand war hinterher richtig glücklich

Blick von unten: Dutzende Schnorchler mit Flossen an der Wasseroberfläche, weit darunter zieht der Walhai allein durchs Blau.
Oben die Gruppe, unten das Tier. So sah es die meiste Zeit aus.

An Bord haben wir uns natürlich gefreut, wir waren aufgeregt. Aber so richtig ausgelassen zufrieden war hinterher eigentlich niemand.

Eine Mitreisende hat das Tier gar nicht gesehen. Sie hatte gleich am Anfang ihre Begleiter verloren und wollte nicht allein zwischen all den anderen schwimmen. Also ist sie zurück zum Boot. Eine Stunde Anfahrt, und dann das.

Der zweite Stopp desselben Tages zeigt, wie es auch geht: An der Bodufinolhu Thila lag nur unser Boot mit rund zehn Leuten. Wir sind eine halbe Stunde mit der Strömung am Riff entlanggetrieben, haben zwei kleine Riffhaie gesehen, eine Schildkröte, viele bunte Fische. Zwanzig Meter Sicht, sonnig. Sehr entspannt — und da ging es nur um ein Riff, nicht um eines der schönsten und beeindruckendsten Tiere des Meeres. Beide Stellen gehören zu Dhigurah und stehen mit allen Messwerten auf der Inselseite.

Was die Guides sagen

Abends im Hotel habe ich sie darauf angesprochen. Die Antwort war deutlich: Es ist schlimmer geworden. Es sei inzwischen schwierig, überhaupt noch einen Walhai zu finden, um den nicht schon eine große Traube Touristen liegt.

Auf einer anderen Insel kam das Thema noch einmal auf, und wir waren uns einig: Man sollte diese Touren regulieren — so wie es in der Hanifaru Bay längst gemacht wird. Und ebenso einig waren wir uns darin, dass sich das schlecht umsetzen lässt.

Das waren zwei Gespräche mit zwei Guides, keine Umfrage. Aber es waren die Leute, die jeden Tag rausfahren.

Zwei Wege, wie es besser geht

Auf derselben Reise bin ich zwei Möglichkeiten begegnet, die dasselbe Erlebnis ohne das Gedränge versprechen. Eine habe ich selbst erlebt, die andere nur erzählt bekommen — ich sage bei beiden dazu, was davon was ist.

1. Nachts mit Walhaien, im Lichtkegel

Auf Maalhos im Baa-Atoll, der letzten Insel dieser Reise, wurde uns etwas ganz anderes angeboten: nachts mit Walhaien schnorcheln.

Der Aufbau ist einfach. Scheinwerfer werden aufs Wasser gerichtet, das Licht bringt das Plankton nach oben, und dem Plankton folgen meist Mantas oder Walhaie. Alles spielt sich in diesem einen Lichtkegel ab. Viel weniger Leute, kein Gedränge.

Wir haben nicht teilgenommen — das Wetter war zu schlecht. Ich kann also nicht sagen, wie es dort wirklich ist. Aber die Guides dort haben davon wesentlich positiver berichtet als von der Tagestour.

Was mir daran auffällt: Hier löst niemand das Problem mit einer Vorschrift. Der Lichtkegel bündelt, was sich im offenen Meer nicht bündeln lässt — die Tiere kommen zum Licht, statt dass fünfzig Menschen einem Tier hinterherschwimmen.

2. Die Hanifaru Bay, am besten zum Vollmond

Am 14. August war ich in der Hanifaru Bay im Baa-Atoll — und dort habe ich selbst gesehen, dass es anders geht. Die Bucht gehört zum Ausflugsprogramm von Maalhos, dort steht auch, was sie an den übrigen Tagen hergibt. Ranger überwachen die Bucht, die Besucherzahl ist auf rund sechzig Schnorchler begrenzt, und offenbar sind an einem Tag die Resorts dran und am nächsten die lokalen Inseln. Eingefahren wird sehr langsam, damit keine Tiere verletzt werden.

Das Ergebnis: rund fünfzig Mantas, dreißig bis vierzig Minuten im Wasser — und weil die Bucht groß ist, verteilen sich die Leute. Es war nicht so ein Chaos wie bei den Walhaien.

Und jetzt kommt der Teil, der die beiden Wege verbindet: Zum Vollmond trifft man in der Hanifaru Bay Mantas und Walhaie zusammen an. Genau das also, wonach ich einen ganzen Tag lang mit hundert anderen gesucht habe — nur an einer Stelle mit geregeltem Zutritt. Wer rechtzeitig einen Platz bucht, bekommt es ohne den Stress.

Dieselbe Reise, dasselbe Land, zwei völlig verschiedene Erlebnisse. Der Unterschied war nicht das Tier und nicht das Glück. Der Unterschied waren die Regeln.

Das Muster ist mir auf dieser Reise noch ein drittes Mal begegnet, und zwar ohne Boote und ohne Ranger. Bei einem Zwischenstopp wurden Ammenhaie angefüttert, und aus ruhigen Bodenbewohnern wurde ein Gedränge. Am Turtle Reef bei Rasdhoo zogen Haie am selben Urlaub völlig unbeeindruckt an uns vorbei — weil niemand nachhalf. Wo Menschen den Rahmen setzen, entscheidet der Rahmen, wie die Begegnung ausgeht. Beim ersten Manta, den ich gesehen habe, war überhaupt kein Rahmen nötig; da war einfach niemand sonst da.

Warum sich das schwer regeln lässt

In der Hanifaru Bay funktioniert die Begrenzung, weil sie eine Bucht ist: eine überschaubare Fläche, in die man hineinfährt, mit Rangern, die sie im Blick haben. Wer drin ist, ist drin; wer wartet, wartet draußen.

Bei den Walhaien gibt es nichts davon. Rangali Madivaru ist offenes Meer. Kein Rand, keine Zufahrt, keine Fläche, die sich abgrenzen ließe. Der Hai zieht seine Bahn, wo er will, die Boote finden ihn über Funk, und morgens weiß niemand, wo er sein wird. Man müsste nicht eine Bucht kontrollieren, sondern das offene Meer — und dazu jeden Anbieter, der ein Boot hat.

Genau das sagen die Guides selbst: Man sollte es regeln, und es lässt sich schlecht umsetzen. Beides stimmt gleichzeitig.

Ich war einer von den fünfzig

Ich könnte hier schreiben, dass ich mir weniger Boote am Tier wünsche. Das steht mir nicht zu. Ich habe die Tour gebucht, obwohl die Guides mir vorher gesagt hatten, dass es voll wird, und obwohl ich die Videos kannte. Ich war Teil des Gedränges, über das ich hier schreibe.

Was ich stattdessen tun kann: erzählen, wie es war. Nicht wie auf den Bildern, die man vorher sieht, sondern wie es ist, wenn fünfzig Leute gleichzeitig demselben Tier hinterherschwimmen. Und daneben stellen, dass es auf derselben Reise auch anders ging — in einer Bucht mit Rangern, und angeblich nachts im Lichtkegel.

Wer das liest und trotzdem fährt, tut es mit offenen Augen. Ich hatte die Warnung auch.

Gut zu wissen: Walhai-Tour ab Dhigurah

  • Wo: Rangali Madivaru, South Ari Atoll. Rund eine Stunde Bootsfahrt ab Dhigurah, auf der Hinfahrt kräftiger Wellengang.
  • Bedingungen (06.08.2026, 12:00 Uhr): rund 20 Meter Sicht, sonnig. 30 Minuten im Wasser, bis 8 Meter Tiefe. Aus meinem SSI-Logbuch.
  • Preis: 90 US-Dollar pro Erwachsenem, 45 für Kinder unter 12 Jahren.
  • Andrang: etwa zehn Boote am Platz, rund fünfzig Schnorchler und zehn Taucher gleichzeitig im Wasser. Wer empfindlich auf Gedränge reagiert, sollte das wissen.
  • Ablauf: Sichtungen werden per Funk zwischen den Booten weitergegeben. Walhaie schwimmen meist gegen die Strömung, deshalb wird man vor dem Tier ins Wasser gelassen.
  • Zweiter Stopp: Bodufinolhu Thila, rund 20 Meter Sicht, 45 Minuten laut Logbuch — nur unser Boot mit etwa zehn Leuten, sehr entspannt.
  • Die Insel selbst: Dhigurah ist zum Schnorcheln vom Strand aus schwach, über Wasser aber wunderschön — langer Strand unter Palmen, eine sehr lange Sandbank. Alles dazu auf der Inselseite Dhigurah.
  • Zum Vergleich: In der Hanifaru Bay (Baa-Atoll) ist die Besucherzahl auf rund sechzig Schnorchler begrenzt und wird von Rangern überwacht. Bei den Walhai-Touren gibt es nichts Vergleichbares. Wie es dort war, steht auf der Inselseite Maalhos.
  • Wenn Menschen nachhelfen: Wie eine Begegnung kippt, sobald jemand einen Eimer dabei hat, steht in Mit Ammenhaien schnorcheln.
  • Wie es ohne Andrang aussieht: Haie am Turtle Reef und Mein erster Manta, beides auf Rasdhoo im selben Urlaub.
  • Die ganze Reise: vier Inseln im Vergleich, nachzulesen im Reiseziel-Blatt Malediven.
  • Vollmond in der Hanifaru Bay: Zu dieser Zeit lassen sich dort Mantas und Walhaie zusammen antreffen — bei geregeltem Zutritt. Plätze rechtzeitig buchen.
  • Nachts im Lichtkegel: Auf Maalhos wird Schnorcheln mit Walhaien bei Dunkelheit angeboten — Scheinwerfer holen das Plankton nach oben, die Tiere folgen. Deutlich weniger Leute, kein Gedränge. ⚠️ Das habe ich nicht selbst erlebt, wir sind wegen schlechten Wetters nicht mitgefahren; die Guides berichteten aber deutlich positiver davon als von der Tagestour.
Eigene Aufnahme von diesem Tag. Ton an, wenn du magst — er ist original.

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