Reisebericht
Schnorcheln auf den Malediven: Rasdhoo und Fulidhoo
Ich treibe über die Riffkante und schaue ins Blaue. Unter mir fällt das Riff ab, das Wasser wird tiefer und kühler, und für ein paar Sekunden höre ich nur meinen eigenen Atem. Ein Schwarm kleiner Fische kippt auf einmal die Richtung. Ein Stück weiter schiebt sich ein Hai am Hang entlang, ohne mich eines Blickes zu würdigen.
Das ist das Hausriff vom Summer Vibes Beach Front auf Rasdhoo, einer Lokalinsel im Rasdhoo-Atoll auf den Malediven. Ein paar Flossenschläge über das flache Riff, dann die Kante, dann das offene Blau, und man bekommt zu sehen, was so ein Riff zu bieten hat: Haie, bunte Fische, Korallen, Tintenfische, ab und zu eine Muräne, die aus ihrer Spalte lugt. Weil kaum jemand hier schnorchelt, stören sich die Tiere nicht an mir. Man ist stiller Beobachter, mehr nicht.
Angefangen hatte alles zwei Wochen früher, im April, eigentlich Hochsaison. Trotzdem war nichts überlaufen. Auf den kleinen Inseln hatten wir unsere Ruhe, und die Bootstouren waren entspannt. Keine hundert Leute im Wasser, die sich um dasselbe Foto drängeln. Hektisch wurde es genau einmal, bei den Ammenhaien, aber das ist eine eigene Geschichte.
Erst waren wir auf Fulidhoo im Vaavu-Atoll, bekannt für die Rochen im flachen Wasser und dieses helle Türkis, in dem man den eigenen Schatten auf dem Sandboden tanzen sieht. Zum Schnorcheln direkt am Strand ist die Insel ehrlich gesagt nicht ideal: Der Boden ist sandig, das eigentliche Riff liegt weiter draußen. Aber im flachen, warmen Wasser am Bikini Beach, dem Badeabschnitt der Insel, mit meinem Sohn zu toben und über den weißen Grund zu gleiten, das hat einen eigenen Wert, der mit Riff nichts zu tun hat. Was dort trotzdem alles vorbeikommt, habe ich später in einem eigenen Bericht über den Bikini Beach aufgeschrieben — und am Abend passiert an derselben Stelle noch etwas ganz anderes: Da gleiten die Rochen über die Füße.
Zum Schnorcheln buchten wir eine Bootstour. Erster Stopp: die Ammenhaie. Danach ging es an ein Riff mit vielen schönen Korallen und kleineren Fischen. Nett. Aber ehrlich, nichts, wovon ich abends noch erzählt hätte.
Richtig spannend wurde es erst nach dem Inselwechsel, auf Rasdhoo. Schon mein allererster Gang ins Wasser am Ankunftstag brachte einen Riffbewohner, mit dem ich nicht gerechnet hatte: meinen ersten Hai. Von da an zog es mich jeden Tag ans Hausriff.
Auch auf Rasdhoo buchten wir eine Tour, diesmal übers Hotel. Wieder ging es zuerst zu den Ammenhaien, die ich diesmal ausließ. Dann steuerte das Boot mehr oder weniger direkt Richtung Turtle Reef, mit einem Stopp, der alles auf den Kopf stellte: mein erster Manta. Eigentlich war mein Tag da schon rund. Ich hätte umdrehen und zufrieden sein können.
Zwischendurch legten wir an einer winzigen Insel an. Es gab etwas zu essen und zu trinken, für mich sogar ein Bier. Das ist auf den Malediven nicht selbstverständlich: Im streng muslimischen Land wird Alkohol legal nur auf wenigen Resortinseln ausgeschenkt, auf den bewohnten Lokalinseln gibt es keinen. Danach ging es ins flache Wasser. Im Flachen wimmelte es von kleinen Fischen und von kleinen Haien, keine fünfzig Zentimeter lang, die zwischen den Steinen das Jagen übten. Eine Kinderstube für Haie. Ich stand einfach da und schaute zu.
Und dann, am Turtle Reef, kam der Teil, für den man solche Touren bucht. Ein Riff, größtenteils noch farbig und lebendig. Und das ist leider nicht selbstverständlich. Auf dem Weg hatte ich zu viele blasse, fast gespenstisch weiße Riffe gesehen, denen die Farbe fehlte. Das ist keine Einbildung. 2024 gab es die stärkste globale Korallenbleiche, die je gemessen wurde: Bei zu warmem Wasser stoßen Korallen die Algen ab, die ihnen Farbe und Nahrung geben, und werden weiß. Der Indische Ozean war Teil davon, die Malediven auch, und ausgerechnet die zentralen Atolle rund um Rasdhoo und Fulidhoo traf es am härtesten, mit im Schnitt über 40 Prozent Verlust an lebender Steinkoralle, während der Süden fast verschont blieb. Zum Verzweifeln ist es trotzdem nicht: Schon 1998 starben hier fast alle flachen Korallen, und die Riffe haben sich über etwa sechzehn Jahre wieder erholt. Umso mehr habe ich jedes intakte Stück Riff genossen.
Am Turtle Reef durften wir das lange. Wir waren das einzige Boot, vielleicht sechs, sieben Leute im Wasser, und sind anderthalb Stunden am Riff entlanggeschnorchelt. Hier ein paar Schildkröten, dort ein Schwarzspitzen-Riffhai, überall bunte Fische und Korallen. Kein Gedränge, kein Zeitdruck. Nur Wasser, Atem und das nächste Detail.
Es waren rund zehn Schildkröten an diesem Vormittag — mehr, als ich in meinem ganzen Leben davor gesehen hatte. Wie das war, wenn ein Tier nach dem anderen unter einem auftaucht und keines Notiz von einem nimmt, steht in Mit Schildkröten schnorcheln vor Rasdhoo. Und weil dasselbe Riff an diesem Tag auch mehrfach Haie zeigte, gibt es dazu einen zweiten Bericht: Haie am Turtle Reef.
Ein Jahr später bin ich noch einmal auf die Malediven gefahren, in der Regenzeit und auf vier andere Inseln. Das war eine ganz andere Reise — mit einem Walhai, um den fünfzig Schnorchler kreisten, und mit Riffen, die deutlich mehr Sediment im Wasser hatten. Wer beide Jahreszeiten vergleichen will, findet die Monate im Reiseziel-Blatt Malediven.
Zum Vergleich mit einem ganz anderen Meer: Wie sich dieselbe Art von Riffkante im Roten Meer anfühlt, steht in Rote-Meer-Riffe für Einsteiger. Und wie wenig davon in einer flachen Lagune übrig bleibt, in Schnorcheln vom Strand in Flic en Flac auf Mauritius.
Rasdhoo und Fulidhoo könnten unterschiedlicher kaum sein: die eine ruhig und zum Spielen im Flachen, die andere mit einem Hausriff, das kaum Wünsche offenlässt. Empfehlen kann ich beide. Man muss nur bereit sein, leise zu sein und zu warten. Dann zeigt das Riff einem alles.
Rasdhoo & Fulidhoo — kurz & praktisch
- Wo: Zwei maledivische Lokalinseln in den zentralen Atollen: Rasdhoo im Rasdhoo-Atoll, rund 60 km westlich von Malé, und Fulidhoo im Vaavu-Atoll. Anreise ab Malé per Speedboot oder öffentlicher Fähre.
- Bedingungen (April 2025): 29 Grad Wassertemperatur, über 20 Meter Sicht, beim Schnorcheln um die 5 Meter Wassertiefe. Werte aus meinem Logbuch.
- Fulidhoo: Bekannt für Rochen und Ammenhaie im flachen Wasser und sehr klares Türkis. Zum Schnorcheln am besten per Bootstour (das Riff liegt weiter draußen); der Badeabschnitt der Insel heißt Bikini Beach und ist sandig, ideal zum Baden und für Kinder.
- Rasdhoo: Starkes Hausriff direkt vor der Küste (bei uns am Summer Vibes Beach Front), dazu Bootstouren zu Manta-Putzerstationen, zum Ammenhai-Spot und zum Turtle Reef (SSI-Spot Nr. 530005), wo Schwarzspitzen-Riffhaie ihre Bahnen ziehen. Wenige Schnorchler, entspannte Stimmung.
- Beste Zeit: Wir waren im April und hatten trotz Saison viel Ruhe. Alle Monate mit Wassertemperatur, Sicht und Tieren stehen im Reiseziel-Blatt Malediven.
- Die beiden Inseln im Detail: jede Stelle einzeln, mit Messwerten und Fundberichten, auf den Inselseiten Rasdhoo und Fulidhoo.
- Ausrüstung: Womit ich unterwegs bin und was ich heute anders kaufen würde, steht in meiner Ausrüstungsliste.
- Riff-Zustand: Nach der Bleiche 2024 ist das Bild uneinheitlich, manche Riffe sind blass, andere noch farbig und lebendig. Wer Rücksicht nimmt (nichts anfassen, Abstand halten), hilft, dass das so bleibt.