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Rotes Meer: die besten Riffe für Einsteiger
Wenn mich jemand fragt, wo man als Einsteiger zum ersten Mal in eine richtig bunte Unterwasserwelt eintauchen sollte, sage ich inzwischen ohne Zögern: Rotes Meer. Was uns dort in einer Woche rund um Sharm El Sheikh begegnet ist, hat alles übertroffen, was ich erwartet hatte — an jedem einzelnen Riff. Die Fischvielfalt und die Farben sind schlicht beeindruckend, egal ob beim Schnorcheln direkt vor dem Hotel oder beim Tauchgang vom Boot.
Vier Riffe haben wir näher kennengelernt: Ras Bob, Ras Umm Sid, Ras Mohammed und das Gordon Reef. Hier ist mein ehrlicher Eindruck — mit allem, was ich vorher gern gewusst hätte.
Alle Werte auf dieser Seite stammen aus meiner eigenen Woche im Oktober 2025, Wassertemperatur und Sicht aus meinem Logbuch. Was ich nicht selbst gesehen habe, steht nicht drin.
Die vier Riffe auf einen Blick
| Riff | Zugang | Aufwand | Für wen |
|---|---|---|---|
| Ras Bob | vom Strand | ~50 m über Flachriff, kein Steg | wer den Weg nicht scheut — das beste Riff der Woche |
| Ras Umm Sid | vom Strand, Eintritt | Steg direkt an die Kante | Einsteiger und alle, die es bequem wollen |
| Ras Mohammed | Bootstour | halber Tag | wer einmal ein Riff im offenen Meer sehen will |
| Gordon Reef | Bootstour | halber Tag | Großfisch-Chance vom Boot |
Ras Bob: das Hausriff, für das andere eine Bootstour buchen
| Wo | Shark Bay, Sharm El Sheikh — Hausriff der Serenity Lodge |
| Einstieg | vom Strand, kein Steg |
| Weg zur Riffkante | rund 50 Meter über flaches Riff |
| Tiefe am Riff | 2–5 Meter, dahinter fällt es ab |
| Sicht | rund 20 Meter (Oktober 2025) |
| Wasser | 26 °C |
| Gesehen | Adlerrochen, Blaupunktrochen, weiße Muräne (in Bewegung), Schildkröte, Hornhecht, Fahnenbarsche |
| Beste Zeit | früh morgens — dann ist niemand da |
Unser Hotel war die Serenity Lodge in der Shark Bay — und das eigentliche Highlight lag direkt davor. Der Einstieg ist relativ leicht, aber ich will ehrlich sein: Einen Steg gibt es nicht. Man schnorchelt zuerst über ein flaches Riff, und das ist nicht für jeden angenehm. Wer damit klarkommt, wird nach etwa 50 Metern belohnt — und zwar so richtig.
Denn wenn man dann über die Riffkante schaut, verschlägt es einem den Atem. Farbenvielfalt, alle möglichen Fische, und das Riff fällt vor einem ab ins Blau. Genau dort haben wir Adlerrochen gesehen, Blaupunktrochen — und die einzige Schildkröte des ganzen Urlaubs. Direkt unter der Oberfläche stand ein Hornhecht, als hätte er auf uns gewartet.
Und eine weiße Muräne, die sich durchs Riff bewegte. Das ist etwas anderes als die ruhige Muräne, die mir später beim Tauchen im Ras Mohammed aus einer Felsspalte entgegensah — diese hier war unterwegs.
Wie schön dieses Riff wirklich ist, haben wir an einem Tag auf besondere Weise gelernt: Wir hatten eine Schnorchel-Bootstour gebucht, sind 45 Minuten zum Boot gefahren — und das Boot fuhr zurück und legte zum Schnorcheln an unserem eigenen Hausriff an. Es gibt also Touren, die extra dorthin fahren, wo wir morgens einfach ins Wasser gestiegen sind.
Überhaupt: morgens. Wir waren häufig früh schnorcheln, und da hat man das Riff noch ganz für sich allein. Sehr zu empfehlen.
Eines noch zum Namen: Die Bucht heißt Shark Bay, aber in der ganzen Woche ist mir dort kein einziger Hai begegnet — im übrigen Urlaub ebenfalls nicht. Der Name beschreibt die Bucht, nicht das, was man beim Schnorcheln sieht.
Eine Einschränkung, die ich dazusagen muss: Die eine Schildkröte war die einzige in sieben Tagen. Wer gezielt Schildkröten sucht, ist woanders besser aufgehoben — auf Rasdhoo auf den Malediven haben wir in anderthalb Stunden etwa zehn gezählt, und zwar allein am Riff. Auf Mauritius war es genau eine, dafür verlässlich — am Turtle Point findet man sie fast sicher, teilt sie sich aber mit vielen anderen Schnorchlern. Das Rote Meer punktet mit der Dichte am Riff, nicht mit einzelnen großen Tieren.
Ras Umm Sid: der einfachste Einstieg — über einen Steg direkt an die Riffkante
| Wo | El Fanar Beach, Stadtteil Hadaba, Sharm El Sheikh |
| Einstieg | langer Steg direkt an die Riffkante — kein Flachriff |
| Eintritt | rund 150 ägyptische Pfund (etwa 3–4 €), Liege und Sonnenschirm inbegriffen |
| Riffprofil | fällt direkt hinter dem Steg steil ab |
| Gesehen | Maskenfalterfische, Rifffische in großer Zahl |
| Vor Ort | kleine Restaurants und Bars |
An einem Nachmittag waren wir am El Fanar Beach, einem Resort, in dem man Eintritt zahlt — allerdings nicht viel. Dort liegt das Riff Ras Umm Sid, und der Einstieg könnte einfacher nicht sein: Ein langer Steg führt hinaus und endet direkt an der Riffkante. Kein Flachriff, kein Klettern — reingehen und schauen.
Das Riff selbst fällt hier steil ab. Es geht tief runter, das Wasser hat ein wunderschönes Blau, und auch hier: alle möglichen Fische. Wer sich den Einstieg über das flache Riff bei Ras Bob nicht zutraut, ist hier genau richtig.
Und das Riff dahinter ist wunderschön. Bunt, dicht bewachsen, mit einer Vielfalt an Fischen, die mich beeindruckt hat — in allen Farben und Formen, vom handtellergroßen Falterfisch bis zu den Arten, deren Namen ich gar nicht kenne.
Mehr Riff für so wenig Geld habe ich nirgends bekommen — samt Liege und Sonnenschirm für die Pause danach.
⭐ Für Kinder ist das der beste Einstieg der ganzen Liste. Vom Steg geht es direkt ins Wasser — kein Weg über scharfe Korallen, keine Stelle, an der ein Kind aufsetzen oder sich schneiden kann, und es geht sofort los. Genau das macht Ras Bob für Familien schwieriger: Dort liegen erst fünfzig Meter Flachriff dazwischen, und das schreckt zu Recht ab.
Ras Mohammed: Nationalpark mit Riff mitten im Meer
| Wo | Nationalpark an der Südspitze der Sinai-Halbinsel |
| Zugang | nur per Bootstour ab Sharm El Sheikh |
| Einstieg | vom Boot, Riff mitten im offenen Wasser |
| Tiefe | Schnorcheln über dem Riffdach; beim Tauchen öffnet sich auf 18 Metern heller Sandboden |
| Tauchen ohne Schein | auf unserer Bootstour direkt buchbar, bis 20 Meter |
| Gesehen | Napoleonfisch, Feuerfische in den Riffspalten |
Ras Mohammed kannte ich schon vom Tauchen — dort hatte ich meinen ersten Tauchgang im Roten Meer mit Napoleon und Muräne. Aber der Nationalpark ist auch zum Schnorcheln eine Reise wert: Bei unserer gebuchten Bootstour konnte man an einem Riff mitten im Meer schnorcheln. Ringsum nur Blau, darunter das Riff voller bunter Fische — wie eigentlich überall hier, aber mitten im offenen Wasser fühlt es sich noch einmal besonders an.
Tauchen war auf der Tour direkt buchbar, und zwar ohne Tauchschein — den hatte ich damals nicht. Getaucht war ich vorher trotzdem schon, ich wusste also, wie sich das anfühlt und worauf ich mich einlasse. Auf 20 Meter bin ich so gekommen. Wie der Tauchgang ablief, steht im eigenen Bericht dazu.
Gordon Reef: Adlerrochen vom Boot aus
| Wo | Straße von Tiran, nördlich von Sharm El Sheikh |
| Zugang | nur per Boot |
| Einstieg | vom Boot ins offene Wasser |
| Gesehen | Adlerrochen, dichte Füsilier-Schwärme; Delfine auf der Überfahrt |
Getaucht sind wir vom Boot aus — an Ras Bob, im Ras-Mohammed-Nationalpark und am Gordon Reef in der Straße von Tiran. Schon die Überfahrt war ein Erlebnis: Auf der Bootstour von Ras Mohammed zum Gordon Reef begleiteten uns Delfine. Und das Riff selbst hatte noch eine Überraschung parat: Adlerrochen. Diese Tiere im offenen Wasser vorbeiziehen zu sehen, gehört zu den Momenten, die bleiben.
Und auch hier gilt, was ich über alle Riffe sagen kann: viele bunte Fische, viele Korallen. Man gewöhnt sich erstaunlich schnell daran, dass es unter Wasser aussieht wie im Bilderbuch — und genau deshalb ist das Rote Meer für den Einstieg so gut geeignet.
Was am Riff wehtun kann
Ein Riff im Roten Meer sieht aus wie ein überfüllter Garten, und genau das ist die Falle.
Die Grundregel ist kurz: nichts berühren und Abstand halten. Sie gilt für alles dort unten, ohne Ausnahme — auch für das, was harmlos aussieht.
Sie hat zwei Gründe, die gleich schwer wiegen. Das Riff nimmt Schaden, wenn man hineinfasst oder mit der Flosse hineinschlägt; vieles davon wächst jahrzehntelang und ist in einer Sekunde kaputt. Und man selbst nimmt Schaden, weil sich vieles dort unten wehrt.
Zwei Beispiele, die man kennen sollte:
Feuerkorallen — senffarben, fein verzweigt wie Geäst. Sie sehen aus wie Deko und sind es nicht: Ihre Nesselzellen brennen auf der Haut.
Feuerfische stehen in den Spalten, die Flossen wie Fächer aufgestellt. So hübsch das aussieht, ihre Stacheln sind giftig.
Ich halte lieber einen halben Meter mehr Abstand, als irgendwo anzustoßen. Was so wehtun kann, muss man nicht berühren, um es schön zu finden.
Wann sich der Weg lohnt
Das Rote Meer ist das einzige unserer Reiseziele, an dem man ganzjährig ins Wasser kann. Wir waren im Oktober da: 26 Grad Wassertemperatur, rund 20 Meter Sicht, mildere Sonne. Im Winter wird das Wasser mit 21 bis 24 Grad kühl genug, dass man einen Neoprenanzug braucht — dafür ist die Sicht dann am besten. Die vollständige Monatsübersicht mit Quellen steht im Reiseziel-Blatt Rotes Meer.
Wie sich das gegen unsere anderen Ziele schlägt: Auf den Malediven war die Sicht besser — dort hatten wir im April 29 Grad und rund 25 Meter. Dafür liegen die guten Stellen weiter draußen; den Manta vor Rasdhoo und die Haie am Turtle Reef haben wir nur mit dem Boot erreicht, und am Bikini Beach von Fulidhoo habe ich gar kein Riff gefunden. Vor Mauritius war das Wasser warm und flach, aber ein Riff, das einen umhaut, gibt es dort nicht.
Der Unterschied in einem Satz: Die Riffe in Ägypten sind wunderschön und genauso bunt wie die maledivischen. Auf den Malediven sind nur die Tiere größer. Das Rote Meer punktet mit der Dichte am Riff, nicht mit einzelnen großen Tieren.
Dazu kommt etwas, das für Europäer schwerer wiegt, als es klingt: Das Rote Meer ist nah. Man kann kurzfristig hinfliegen, ohne eine Fernreise zu planen.
Fürs erste Mal am tropischen Riff ist es damit die einfachste Antwort — nicht wegen der Artenzahl, sondern weil zwischen Handtuch und Riffkante so wenig liegt.
Mein Fazit für Einsteiger
- Bedingungen (Oktober 2025): 26 Grad Wassertemperatur, rund 20 Meter Sicht, am Riff 2 bis 5 Meter Wassertiefe, beim Tauchen bis 20 Meter. Werte aus meinem Logbuch.
- Der einfachste Einstieg: Ras Umm Sid am El Fanar Beach — über den Steg direkt an die Riffkante, Eintritt rund 3 bis 4 Euro. Lohnt sich.
- Das beste Gesamtpaket: Ras Bob. Der Weg übers Flachriff kostet etwas Überwindung, dahinter wartet das schönste Riff unseres Urlaubs — inklusive Rochen und Schildkröte.
- Früh los: Morgens hat man die Riffe fast für sich allein.
- Einmal rausfahren: Eine Bootstour in den Ras-Mohammed-Nationalpark lohnt sich — ein Riff mitten im Meer ist noch mal ein eigenes Erlebnis.
- Nicht erwarten: Walhaie, Mantas oder Hammerhaie. Die stehen an den Hochsee-Riffen weiter draußen, nicht an den Riffen dieser Liste.
- Ausrüstung: Für zwei bis fünf Meter reicht wenig. Was ich dabeihabe, steht bei meiner Ausrüstung.
Das Rote Meer hat uns den Einstieg leicht gemacht — und gleichzeitig Momente geschenkt, die ich so schnell nicht vergesse. Wenn du eines dieser Riffe kennst oder eine Frage zum Einstieg hast: Schreib es mir gern in die Kommentare.