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Mehrere Ammenhaie ziehen dicht über den hellen Sandgrund vor Rasdhoo, Malediven.

Reisebericht

Mit Ammenhaien schnorcheln auf den Malediven — und warum ich beim zweiten Mal im Boot blieb

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Ein Ammenhai stupst mich ans Bein. Nicht zaghaft. Er drückt seinen breiten Kopf gegen meine Wade, kurz und bestimmt, auf der Suche nach etwas Fressbarem. Und ich denke nur einen einzigen Satz: Das fühlt sich falsch an.

Um mich herum ist Getümmel. Haie von allen Seiten, keiner davon scheu, und mittendrin, direkt zwischen den Haien, ziehen Rochen ihre Bahnen und stehen kleine Fische wie Konfetti im Wasser. Schön ist das, keine Frage. Und trotzdem will ich hier raus.

Aber der Reihe nach.

Wir hatten auf den Malediven zwei Bootstouren gebucht. Die erste ging von der Lokalinsel Fulidhoo los, die zweite eine Woche später von Rasdhoo. Beide machten mehrere Stopps, und zu beiden gehörten die Ammenhaie. Vor der ersten Tour waren wir richtig aufgekratzt. Haie. Zum Greifen nah. Was uns da wohl erwartet?

Was uns erwartete, waren erst mal andere Boote. Wir kamen an der Stelle an, und da lagen schon mehrere, alle mit demselben Plan wie wir. Im Wasser trieben überall Touristen. Man konnte die Aufregung spüren, unten im Wasser und oben an Deck, so ein Kribbeln, das zwischen Vorfreude und Nervosität hin- und herrutscht.

Dann hielten wir, und da waren sie. Was für Tiere. Und so groß. Sie zogen dicht unter der Oberfläche ihre Bahnen, ganz ruhig in der Bewegung, hellbraun im Sonnenlicht. Ich hätte ewig zuschauen können. „Ihr könnt rein”, hieß es. Puh. Na gut. Dann mal los.

Viele Ammenhaie, ein Rochen und dichte Fischschwärme drängen sich unter der Wasseroberfläche auf den Malediven
Das Gewusel: Ammenhaie, ein Rochen und ganze Fischschwärme, alle ums Futter. Genau da lag ich mittendrin.

Kurz zu den Regeln, die ich selbst befolge und jedem mitgebe: Flossen an, Hände dicht am Körper. Ammenhaie sind für uns Menschen grundsätzlich harmlos. Nur hatten die Bootsleute hier gefüttert. Und genau das mag ich überhaupt nicht.

Denn Füttern ändert das Verhalten der Tiere dauerhaft. Sie lernen, dass Boote und Menschen Futter bedeuten, und kommen deshalb immer näher heran — nicht aus Zutraulichkeit, sondern weil es sich für sie gelohnt hat. Genau daraus entstehen die Bissvorfälle, die man inzwischen regelmäßig in Videos sieht. Meist nichts Dramatisches, aber eine Erfahrung, auf die niemand Lust hat.

Und die Tiere können nichts dafür. Ein Ammenhai schnappt nicht nach einem Menschen. Er schnappt nach dem, was er für Futter hält — und ein Fuß, der im Sonnenlicht aufblitzt, oder eine helle Wade sieht von unten aus wie eines der Fischstücke, die eben ins Wasser geworfen wurden. Deshalb: keine nackte Fußsohle und keine offene Handfläche vor ihnen aufblitzen lassen. Der Fehler passiert nicht im Maul des Hais, sondern vorher, beim Eimer mit den Fischresten.

Also liege ich mittendrin. Haie schrammen an mir entlang. Ein Stupsen hier, ein Drängeln da, alle auf der Suche nach Futter, das nichts mit mir zu tun hat und mich trotzdem ständig streift. Sonst ist das Wasser mein Ort zum Abschalten. Diesmal gelingt es nicht. Es ist zu viel, und vor allem zu unnatürlich. Zu dicht. Zu aufgeregt. Zu weit weg von dem, weswegen ich überhaupt ins Wasser gehe.

Und dann wird selbst das Rauskommen zur Aufgabe. Ein paar Boote haben genau zwischen uns und unserem eigenen Boot gefüttert. Ich muss also zurück durch die dichteste Stelle, dahin, wo am meisten geschnappt wird. Ausgerechnet der Weg hinaus führt mitten durch das, was ich hinter mir lassen will.

Oben angekommen, ziehe ich mich aufs Boot und schaue mir den Rest von da an. Von oben. Und weißt du was? So gefällt es mir viel besser. Die Haie unter der glitzernden Fläche, die Rochen, das ganze Kommen und Gehen, ohne dass ich mittendrin sein muss. Meiner Frau und meinem Sohn, die beide mit mir im Wasser waren, ging es genau wie mir. Wir mussten uns gar nicht absprechen. Dieser eine Stopp war nichts für uns. Die Schildkröten und Delfine später an dem Tag dafür umso mehr.

Mehrere Ammenhaie im flachen Uferwasser am Abend am Bootsanleger von Fulidhoo, Malediven
Abends am Ufer von Fulidhoo: Ammenhaie ziehen dicht vorbei. Keine Boote, kein Futter. So mag ich sie.

Dabei hatte Fulidhoo mir längst gezeigt, wie es auch geht. Am Bootsanleger der Insel tauchen jeden Abend Ammenhaie und Rochen auf. Dafür ist Fulidhoo bekannt. Abends, vom Strand aus, zogen sie dicht am Ufer vorbei. Keine Boote, kein Futter, kein Gewusel. Nur die Tiere im flachen Wasser, im letzten Licht des Tages. So mochte ich sie. Wie diese Abende abliefen, steht in Fulidhoo am Abend — dieselben Tiere, ohne dass jemand nachhilft.

Dass am Bootsstopp gefüttert wurde, ist im Vaavu-Atoll übrigens kein Ausrutscher, sondern Programm. Vor der Insel Alimatha, im selben Atoll, sammeln sich nachts Dutzende Ammenhaie an einer festen Futterstelle; Tauchboote fahren gezielt dorthin. Der Unterschied zum Steg von Fulidhoo ist also nicht die Tierart und nicht der Ort — es ist die Frage, ob jemand nachhilft. Beides steht auf der Inselseite zu Fulidhoo, samt der Quellen dazu.

Eine Woche später, die Tour ab Rasdhoo, dieselben Ammenhaie an einem ähnlichen Stopp. Diesmal bleiben wir gleich im Boot sitzen. Kein langes Überlegen. Wir hatten es einmal gesehen, wir wussten, wie es sich anfühlt, und wir wussten, dass wir es kein zweites Mal brauchten.

Das passt zu dem, was ich schon im Artikel über meinen ersten Hai geschrieben habe. Ich möchte die Natur anschauen, nicht in sie eingreifen. Ein wilder Hai, der am Hausriff seine Runde dreht und mich komplett ignoriert, weil ich ihm schlicht egal bin? Wunderbar. Ein Rudel angefütterter Haie, das zwischen Fußsohlen nach Fischresten schnappt? Für mich nicht. Beobachten, genießen, und zwar aus einem Abstand, der den Tieren guttut und mir auch.

Wie das ohne Fütterung aussieht, habe ich auf Rasdhoo gesehen. Auf dem flachen Stück vor dem Hausriff kreuzen häufig Schwarzspitzen-Riffhaie, manchmal auf fünf Meter. Das Tauch-Team vor Ort gab uns dazu einen Satz mit, der alles enthält: nichts anfassen, keinen Fisch in die Hand nehmen — dann ignorieren sie dich vollständig. Genau so war es. Am Turtle Reef dasselbe Bild: Die Haie ziehen vorbei, halten Abstand und sind wieder weg. Kein Gedränge, kein Schnappen, keine Aufregung — und deshalb bleibt davon mehr hängen als von dem Stopp, an dem sie mir ans Bein gestupst haben.

Ammenhaie auf den Malediven — kurz & praktisch

  • Wo: Bei vielen Bootstouren im Zentral-Atoll gehören Ammenhaie zum Programm. Unsere gingen von den Lokalinseln Fulidhoo (Vaavu-Atoll) und Rasdhoo (Rasdhoo-Atoll) los, jeweils mit mehreren Schnorchel-Stopps.
  • Bedingungen (April 2025): 29 Grad Wassertemperatur, über 20 Meter Sicht, beim Schnorcheln um die 5 Meter Wassertiefe. Werte aus meinem Logbuch.
  • Die Tiere: Ammenhaie sind ruhige, gemütliche Bodenbewohner und für Schnorchler grundsätzlich ungefährlich, solange man sie in Ruhe lässt und nichts anfasst.
  • Gefüttert oder wild? An vielen Stopps wird gefüttert. Dann sind die Haie zahlreich, dicht und aufgeregt. Mein ehrlicher Rat: Wenn du die Wahl hast, such dir eine Tour ohne Fütterung — oder schau dir das Ganze vom Boot aus an. Von oben ist es fast schöner.
  • Woran du es merkst: Liegen an der Stelle schon mehrere Boote, und stehen die Tiere dicht unter der Oberfläche statt am Grund, wird dort gefüttert. Ammenhaie sind eigentlich Bodenbewohner. Fragen kostet nichts — vor dem Buchen ist die Antwort ehrlicher als danach.
  • Ohne Boot geht es auch: Am Anleger von Fulidhoo kommen sie abends von allein ins flache Wasser, und vor dem Hausriff von Rasdhoo kreuzen Schwarzspitzen- Riffhaie im Flachen. Beides ohne Tour, ohne Futter, ohne Eintritt. Die großen Rochen vom Steg trifft man tagsüber auch beim Schnorcheln — nachzulesen in Fulidhoo, Schnorcheln vom Strand.
  • Wenn du reingehst: Flossen an, Hände dicht am Körper, keine nackten Sohlen oder offenen Handflächen nach unten. Nichts anfassen, ruhig bleiben. Dann bleibt es auch für die Tiere ruhig. Was ich dabei trage, steht in meiner Ausrüstung.
  • Beide Inseln im Zusammenhang: Wie die Woche auf Fulidhoo und Rasdhoo insgesamt war, steht im Reisebericht; alle Inseln und Jahreszeiten im Reiseziel-Blatt Malediven.
Eigene Aufnahme von diesem Tag. Ton an, wenn du magst — er ist original.

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