Reisebericht
Flic en Flac: Schnorcheln vom Strand auf Mauritius
Gut zweihundert Meter vom Hotel zum Strand, Flossen unter den Arm, und rein. Bequemer geht Schnorcheln kaum. Wir sind in Flic en Flac oft direkt vom Hotel los, und im Wasser zu sein ist dort schön — warm, flach, klar genug.
Trotzdem muss ich gleich zu Anfang etwas sagen, was in kaum einem Reisebericht steht: Zu sehen gibt es hier deutlich weniger, als ich erwartet hatte.
Das ist keine Enttäuschung über Mauritius. Es ist die ehrliche Antwort auf die Frage, ob sich Schnorcheln vom Strand in Flic en Flac lohnt. Was ich an dieser Küste an drei Stellen gemessen habe — Lagune, Turtle Point und Crystal Rock —, steht auf der Ortsseite Flic en Flac; die Monate mit Wassertemperatur und Sicht auf dem Reiseziel-Blatt Mauritius.
Der Strand ist schön — für Leute, die nicht ins Wasser wollen
Flic en Flac hat einen langen, bekannten Strand. Manche sagen, es sei der schönste auf Mauritius. Das kann ich nicht beurteilen, ich habe nur diesen einen gesehen. Schön ist er auf jeden Fall.
Nur: Meine Frau und ich sind nicht die, die sich hinlegen und braun werden. Wir sind wegen des Wassers da. Und dafür ist dieser Strand eher nichts.
Warum die Lagune so flach und so ruhig ist
Das hat einen Grund, und der erklärt fast alles, was einen hier unter Wasser erwartet: Mauritius ist von einem durchgehenden Riff umschlossen. Es liegt weit draußen, und zwischen ihm und dem Strand steht das Wasser wie in einer riesigen, sehr flachen Schale.
Das ist der große Vorteil der Insel. Man braucht kein Boot, keine Anfahrt, keine feste Uhrzeit — man läuft ins Wasser und ist da. Strömung gibt es in der Lagune kaum, und die Wellen brechen sich draußen an der Kante, nicht über einem.
Es ist aber auch der Grund, warum hier unten so wenig steht. Ein Riff wächst dort, wo Wasser zieht und Nahrung vorbeikommt. In einer flachen, stillen Schale mit viel Sand passiert genau das nicht. Wer die dichten, überwachsenen Riffkanten von den Malediven oder aus dem Roten Meer kennt, sucht sie hier vergeblich — die Lagune ist ein anderer Lebensraum, kein schlechterer, aber ein deutlich leererer.
Was zwischen Strand und Brandungsmauer liegt
Die Lagune ist weit draußen von großen Brandungsmauern aus Felsen geschützt. Der ganze Bereich dazwischen ist das, was man vom Strand aus erreicht — und dort ist wenig los.
Man schnorchelt über allerhand kaputte Koralle. Das klingt trostlos, und beim ersten Blick ist es das auch — abgebrochene Äste, umgekippte Stücke, viel Grau.
Wer dann aber langsamer wird und näher hinsieht, merkt: Da wohnt jede Menge. Zwischen und über den Trümmern leben sehr viele Riffbarsche. Das ist der Teil, den ich unterschätzt hatte — ein kaputtes Riff ist kein leeres Riff.
Ansonsten sieht es aus wie unten im Bild — heller Sand, darüber verstreute Korallenblöcke, Lichtnetze auf dem Grund. Hübsch, wenn die Sonne steht. Aber eben kein zusammenhängendes Riff.
An der Brandungsmauer wird es besser
Wenn man es über die Korallen bis nach vorne geschafft hat, ändert sich das Bild. An der Brandungsmauer ist mehr los: ein paar Feuerfische unter den Felsen, insgesamt etwas buntere Fische.
Das ist der Teil, für den sich der Weg lohnt. Es ist aber auch der Teil, an dem man am meisten aufpassen muss.
Warum es zum Schnorcheln trotzdem schwierig ist
Das Wasser bleibt flach. An der Brandungsmauer sind es höchstens zwei Meter. Darunter liegen spitze Korallen, und viel Platz zum Ausweichen hat man nicht. Wer dort schwimmt, muss sich seiner Bewegungen bewusst sein — sonst legt man sich auf etwas, das weder dem Riff noch einem selbst guttut.
Flossen sind Pflicht. Man schwimmt ein gutes Stück raus, und zwar mit oder gegen die Strömung. Ohne Flossen wird das anstrengend, und im Zweifel kommt man nicht dahin zurück, wo man hinwollte.
Wer vorne bleibt, braucht Schuhe. Das ist kein Komfort-Tipp. Die Felsen und die abgestorbenen Korallen sind scharf. Genau für solche Strecken bin ich inzwischen von Vollfußflossen auf Fersenbandflossen mit Neoprenschuhen umgestiegen — warum, steht in meiner Ausrüstungsliste. In Flic en Flac hätte ich mir das schon gewünscht.
Zusammengefasst, was ich für Flic en Flac mitnehmen würde:
- Flossen: Pflicht, wegen der Strecke und der Strömung.
- Schuhe: sobald man vorne an der Brandungsmauer bleibt.
- Zeit: Es dauert, bis man draußen ist. Kurz mal reinspringen bringt nichts.
- Erwartung: kein zusammenhängendes Riff, sondern Sand, Trümmer und ein lebendiger Streifen ganz vorne.
Wann man kommen sollte — Februar war nicht die beste Wahl
Wir waren Anfang Februar da. Das Wasser hatte 27 Grad, die Sicht lag bei rund zwanzig Metern, und die Lagune war so ruhig, wie sie nur sein kann. Nach Wärme und Ruhe war das eine gute Zeit.
Nach allem anderen nicht. Januar bis März ist auf Mauritius das Zyklonfenster — rund siebzig Prozent aller Zyklone der Insel fallen auf diese drei Monate. Wir haben das zu spüren bekommen: Unsere Bootstour zu dem Platz, der als bester Schnorchelspot der Insel gilt, wurde wegen des Wetters abgebrochen. Wer in dieser Zeit bucht, wettet auf das Wetter.
Die klareren Monate liegen am anderen Ende des Jahres. Von September bis Dezember hat die Insel die besten Sichtweiten, und Oktober bis Dezember ist warm genug, ohne schon mitten im Zyklonfenster zu liegen. Wer wegen des Wassers kommt, sollte dorthin. Die Monate im Einzelnen, mit Wassertemperaturen und Quellen, stehen auf dem Reiseziel-Blatt Mauritius.
Der Vergleich, den ich nicht schönreden will
Ich war auf den Malediven und in Ägypten im Wasser. Gemessen daran sieht man in Flic en Flac vom Strand aus eher wenig — nicht so bunt, nicht so dicht, nicht so vielfältig. Wer mit den Bildern aus Rasdhoo oder vom Roten Meer im Kopf anreist, wird hier nicht dasselbe finden.
Der Unterschied ist auch keine Frage des Glücks. An einem Riff wie dem Turtle Reef bei Rasdhoo treibt man über einer Kante, die steil ins Blaue abfällt, und sieht in beide Richtungen. Vor Flic en Flac liegt man über Sand. Was für Einsteiger im Roten Meer trotzdem funktioniert und warum, habe ich in Rote-Meer-Riffe für Einsteiger aufgeschrieben — dort ist der Vergleich ausführlicher.
Wir hatten eine Bootstour gebucht, zu dem Strand, der als bester Schnorchelplatz der Insel gilt. Die musste wegen des Wetters abgebrochen werden. Das Geld haben wir zurückbekommen — den Spot haben wir nie gesehen. Es kann also gut sein, dass Mauritius unter Wasser mehr kann, als ich erlebt habe. Nur erzählen kann ich davon nicht.
Eines hat aber auch die flache Lagune hergegeben, und zwar das Schönste der ganzen Reise: eine große Meeresschildkröte, keine Armlänge unter mir, in kaum zwei Metern Wasser. Wie es dazu kam, steht in Mit Schildkröten schnorcheln auf Mauritius.
Und trotzdem: Mauritius lohnt sich
Über Wasser ist die Insel definitiv eine Reise wert. Wunderschöne Landschaft, großartige Menschen, hervorragendes Essen, und es gibt viel zu sehen.
Man sollte nur wissen, worauf man sich einlässt, wenn man mit Maske und Flossen anreist: Der Strand von Flic en Flac ist bequem erreichbar, das Wasser ist flach und warm, und mit Ruhe und Blick fürs Detail findet man dort durchaus etwas. Ein Riff, das einen umhaut, findet man nicht.
Wer Mauritius wegen der Insel bucht und nebenbei schnorchelt: perfekt. Wer wegen des Schnorchelns bucht: lieber vorher die Bootstouren einplanen — und darauf hoffen, dass das Wetter mitspielt.
Gut zu wissen: Schnorcheln vom Strand in Flic en Flac
- Wo: Flic en Flac an der Westküste von Mauritius. Vom Ort führen mehrere Zugänge direkt an den Strand, ins Wasser läuft man ohne Boot und ohne Anmeldung. Alle drei Stellen der Küste mit ihren Messwerten stehen auf der Ortsseite Flic en Flac.
- Bedingungen (Februar 2026): 27 Grad Wassertemperatur, rund 20 Meter Sicht, an der Brandungsmauer höchstens 2 Meter Wassertiefe. Werte aus meinem Logbuch.
- Der Grund: Mauritius ist von einem durchgehenden Riff umschlossen. Alles, was man vom Strand erreicht, ist die Lagune dahinter — flach, ruhig, sandig und deshalb artenarm.
- Was man sieht: über weite Strecken abgestorbene Koralle mit sehr vielen Riffbarschen, dazwischen Sand und verstreute Blöcke. Bunter wird es erst direkt an der Brandungsmauer, dort auch Feuerfische.
- Ausrüstung: Flossen sind Pflicht, Neoprenschuhe sobald man vorne bleibt. Meine komplette Zusammenstellung steht in meiner Ausrüstungsliste.
- Beste Reisezeit: September bis Dezember für Sicht, Oktober bis Dezember für die Mischung aus Wärme und Sicht. Januar bis März ist das Zyklonfenster — die Monate im Einzelnen stehen auf dem Reiseziel-Blatt Mauritius.
- Das Beste im Flachen: die Schildkröte am Turtle Point, nachzulesen in Mit Schildkröten schnorcheln auf Mauritius.
- Wenn du mehr Riff willst: Die Vergleichsmaßstäbe dieser Reise stehen im Reiseziel-Blatt Malediven und im Reiseziel-Blatt Rotes Meer.