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Schnorcheln in Sharm El Sheikh: lohnt sich das Rote Meer?
Kurz nach sieben stehen wir mit den Flossen in der Hand am Wasser vor unserem Hotel in der Shark Bay. Außer uns ist niemand am Strand. Wir lassen uns flach übers Riff treiben, ganz langsam, und warten, bis der Grund nach etwa fünfzig Metern unter uns wegkippt. Dann liegt sie da, die Riffkante, und dahinter fällt alles ins Blau. Genau dafür steht man morgens auf.
Wir waren als kleine Gruppe unterwegs und sind immer zusammen ins Wasser gegangen — alle gleich begeistert vom Schnorcheln und Tauchen. Allein war ich in dieser Woche kein einziges Mal im Wasser, und ich würde es auch niemandem raten.
Das ist Ras Bob, das Hausriff vor der Serenity Lodge, an einem Morgen im Oktober 2025 — meine erste Woche in Ägypten und am Roten Meer. Scharm El-Scheich (Sharm El Sheikh) liegt an der Südspitze der Sinai-Halbinsel, dort wo der Golf von Akaba ins offene Rote Meer übergeht. Für Schnorchler ist das eine der zugänglichsten Ecken, die ich kenne: warmes Wasser, und mehrere Riffe erreichst du direkt vom Ufer, ohne Boot. Ein paar Dinge hätte ich vorher gern gewusst.
Warum Sharm für Schnorchler leicht ist
Es gibt Ziele, an denen man erst ein Boot braucht, bevor überhaupt etwas passiert. Auf Mauritius war das so: Für ein richtiges Riff mussten wir jedes Mal raus.
Auf den Malediven kommt es auf die Insel an. Vor Rasdhoo und vor Kamadhoo liegen hervorragende Hausriffe, da geht man einfach los. Für den Walhai vor Dhigurah sind wir dagegen rausgefahren, und am Bikini Beach von Fulidhoo habe ich vom Ufer aus gar kein Riff gefunden.
In Sharm haben wir mehrere Riffe direkt vom Ufer aus erreicht — eines davon lag vor unserem Hotel. Wer eine Woche bleibt, kommt jeden Morgen ins Wasser, ohne einmal etwas zu buchen. Das ist der eigentliche Grund, warum ich das Rote Meer für den Einstieg empfehle — nicht die Artenzahl, sondern der kurze Weg dorthin.
Dazu kommt die Tiefe: Am Riff standen wir in zwei bis fünf Metern Wasser. Alles, was man sehen will, passiert dort oben. Man muss nicht tief tauchen können, um das Beste mitzubekommen.
Und ein Punkt, der für Europäer schwerer wiegt, als er klingt: Das Rote Meer ist nah. Man kann kurzfristig hinfliegen, ohne eine Fernreise zu planen. Für eine Woche Schnorcheln ist das ein anderer Aufwand als die Malediven.
Wenn du bisher nur das Mittelmeer kennst, ist das der eigentliche Unterschied. Ich war mehrfach in Griechenland, auf Zypern, auf Sardinien, in Italien, in Spanien und auf Mallorca — und an keiner dieser Küsten habe ich vom Strand aus ein schönes Riff gefunden. Schön war es dort oft, aber nicht so. Beim ersten Blick unter Wasser im Roten Meer war die Frage beantwortet, wofür sich der etwas weitere Flug lohnt.
Vom Strand oder vom Boot — die vier Riffe
Wir haben in dieser Woche vier Riffe näher kennengelernt. Hier der Überblick; wie sie sich im Einzelnen anfühlen und für wen sie taugen, habe ich getrennt aufgeschrieben: Rotes Meer — die besten Riffe für Einsteiger.
| Riff | Wie du hinkommst | Einstieg |
|---|---|---|
| Ras Bob (Shark Bay) | vom Strand, Hausriff | kein Steg, erst ~50 m über Flachriff, dann die Kante |
| Ras Umm Sid (El Fanar Beach) | vom Strand, Resort mit kleinem Eintritt | langer Steg direkt an die Riffkante |
| Ras Mohammed | Bootstour, Nationalpark | vom Boot, Riff mitten im Meer |
| Gordon Reef (Straße von Tiran) | Bootstour | vom Boot |
Der einfachste Einstieg ist Ras Umm Sid. Ein Steg führt hinaus und endet direkt an der Kante — kein Flachriff, kein Klettern. Wer sich den Weg über das flache Riff bei Ras Bob nicht zutraut, ist dort genau richtig.
Das Riff liegt vor dem El Fanar Beach im Stadtteil Hadaba, der Eintritt lag bei rund 150 ägyptischen Pfund — drei bis vier Euro, Liege und Sonnenschirm inbegriffen. Dahinter wartet ein prächtig bewachsenes Riff mit einer Artenvielfalt, die mich überrascht hat.
⭐ Das ist auch der Einstieg für Familien. Vom Steg aus geht es direkt ins Wasser: kein Weg über scharfe Korallen, keine Stelle, an der ein Kind aufsetzen kann, und es geht sofort los. Was die vier Riffe im Einzelnen ausmacht, steht in der Riff-Übersicht.
Das beste Riff war für uns trotzdem Ras Bob — bestätigt an dem Tag, an dem eine gebuchte Bootstour uns nach 45 Minuten Anfahrt ausgerechnet an unserem eigenen Hausriff absetzte.
Nur zum Namen: Die Bucht heißt Shark Bay, aber Haie haben wir dort keine gesehen. Wer deswegen hinfährt, fährt aus dem falschen Grund.
Was dir unter Wasser begegnet
Das erste, was einen am Roten Meer erschlägt, ist das Orange: Fahnenbarsche stehen in ganzen Wolken über den Korallen und kippen im selben Moment die Richtung, wenn ein Schatten kommt. Dazwischen ziehen Maskenfalterfische ihre Bahnen, ein Hornhecht steht bewegungslos direkt unter der Oberfläche, als warte er auf dich. Wo eine Anemone im Sand steht, hält ein Rotmeer-Anemonenfisch sein orange Revier.
Beim Tauchen im Ras Mohammed schob sich ein Napoleonfisch aus dem Freiwasser heran, ganz ohne Eile; die ganze Begegnung habe ich hier aufgeschrieben.
Größere Begegnungen gab es auch beim Schnorcheln: Adlerrochen am Gordon Reef, ein Blaupunktrochen am Hausriff, die einzige Schildkröte der Woche ebenfalls an Ras Bob. Beim Tauchen im Ras Mohammed lugte außerdem aus einer Felsspalte eine Muräne heraus, den Kopf weit draußen, das Maul im langsamen Auf und Zu, mit dem sie atmet. Ich bin auf Abstand geblieben und habe zugesehen. Das reicht mir völlig.
Eine Schildkröte in sieben Tagen — das ist ehrlicherweise wenig. Wer gezielt Schildkröten sehen will, ist woanders besser aufgehoben: Auf Rasdhoo haben wir an einem einzigen Riff in anderthalb Stunden etwa zehn gezählt.
Das Rote Meer punktet nicht mit einzelnen großen Tieren, sondern mit der Dichte am Riff. Das ist für mich der Unterschied zwischen hier und den Malediven, und ich sage ihn seit der Reise immer wieder so: Die Riffe in Ägypten sind wunderschön und genauso bunt wie die maledivischen. Auf den Malediven sind nur die Tiere größer.
Genau das macht die Entscheidung einfacher, als sie klingt. Wer Fische sehen will, in Menge und Farbe, ist im Roten Meer richtig und spart sich die Fernreise. Wer große Tiere sucht — Mantas, Walhaie, Rochen in Schwärmen —, fährt weiter.
Bei uns hat das mit dem Walhai vor Dhigurah und mit den Mantas in der Hanifaru Bay geklappt — dort war ich mit rund fünfzig Tieren gleichzeitig im Wasser. Beides waren gebuchte Ausflüge, beides Malediven, und beides Erlebnisse, die es in Sharm so nicht gab.
Was du beim Schnorcheln nicht sehen wirst
In fast jedem Artikel über das Rote Meer stehen Walhaie, Mantas und Hammerhaie. Das ist nicht falsch, aber es gehört ein Satz daneben, und den habe ich vor der Reise nirgends gefunden:
Diese Tiere sieht man an den Hochsee-Riffen — Elphinstone, Daedalus, die Brothers. Dorthin kommt man mit einem Tauchsafari-Schiff, nicht mit Schnorchel und Maske vom Strand. Wer in Sharm ins Wasser geht, sieht ein sehr gutes Riff mit sehr vielen Fischen. Einen Hammerhai sieht er nicht.
Das ist kein Einwand gegen Sharm. Es ist nur der Unterschied zwischen dem, was in den Prospekten steht, und dem, was man von der Wasseroberfläche aus tatsächlich erlebt. Wenn dein Reiseziel ein bestimmtes großes Tier ist, plane anders — und plane einen Ausflug ein, der dorthin fährt, wo das Tier ohnehin ist. Bei uns waren das die Walhai-Tour vor Dhigurah und die Hanifaru Bay im Baa-Atoll. In der Bucht ist Tauchen verboten, geschnorchelt wird höchstens 45 Minuten, die Besucherzahl ist begrenzt und Ranger passen auf — genau deshalb funktioniert es dort.
Schön, und trotzdem Hände weg
Ein Riff im Roten Meer sieht aus wie ein überfüllter Garten, und genau das ist die Falle.
Die Grundregel ist kurz: nichts berühren und Abstand halten. Ohne Ausnahme, auch bei dem, was harmlos wirkt. Das schützt beide Seiten — Korallen wachsen jahrzehntelang und zerbrechen in einer Sekunde, und einiges dort unten nesselt oder sticht, wenn man ihm zu nahe kommt.
Womit man rechnen muss und wie es aussieht, habe ich in der Riff-Übersicht beschrieben.
Wie du von einem Riff zum nächsten kommst
Das ist der Punkt, an dem ich vorher am unsichersten war — und der sich als der einfachste herausgestellt hat.
Unser Hotel hat uns am ersten Tag den Kontakt zu einem Fahrer vermittelt. Von da an lief alles über WhatsApp: kurz schreiben, und meistens stand er zwanzig Minuten später da. Über die Woche sind daraus viele Fahrten geworden, und irgendwann auch Gespräche — der Tipp mit dem El Fanar Beach kam von ihm, nicht aus einem Reiseführer.
Ein praktisches Detail für alle, die wie wir ohne SIM-Karte unterwegs sind: Wenn wir irgendwo waren und zurückwollten, haben wir im Restaurant gefragt, ob sie ihn anrufen können. Das hat jedes Mal funktioniert. Ich hatte mit deutlich mehr Organisationsaufwand gerechnet.
Überhaupt: Die Menschen vor Ort waren durchweg freundlich und hilfsbereit. Niemand hat lange gefragt, warum ein Fremder das Telefon braucht — es wurde einfach gemacht. Das gehört für mich zum Bild dieser Woche dazu.
Wenn du also im Hotel nach einem Fahrer fragst, hast du das Transportproblem für die ganze Woche gelöst — und nebenbei jemanden, der weiß, welche Strände sich lohnen.
Wann du am besten hinfährst
Das Rote Meer ist das einzige unserer Reiseziele, an dem man das ganze Jahr ins Wasser kann. Die Frage ist nicht ob, sondern womit — und wie viel man an Land aushält.
| Zeit | Wasser | Sicht | Was das heißt |
|---|---|---|---|
| Dez–Feb | 21–24 °C | die klarste des Jahres | Neoprenanzug nötig, dafür ruhig an den Riffen |
| Mär–Mai | 22–25 °C | sehr gut | der angenehmste Kompromiss |
| Jun–Aug | 26–28 °C | gut | wärmstes Wasser, aber an Land sehr heiß |
| Sep–Nov | 25–27 °C | 20 m (selbst gemessen) | Hauptsaison — warm und erträglich zugleich |
Wassertemperaturen nach Monatsmitteln von wassertemperatur.org, Sicht- und Neopren-Einschätzung für den Winter nach tauchliebe.de. Der Wert für den Herbst stammt aus meinem eigenen Logbuch. Die vollständige Monatsübersicht mit Quellenangaben steht im Reiseziel-Blatt Rotes Meer.
Wir waren im Oktober 2025 da, und für uns war das die angenehmste Kombination: 26 Grad Wassertemperatur, die Sonne schon milder als im Hochsommer. Kälteschock beim Reingehen war kein Thema, wir konnten stundenlang im Wasser bleiben. Die Sicht lag bei rund 20 Metern.
Der beste Tipp kostet nichts: früh los. Morgens hatten wir das Hausriff oft ganz für uns allein, und das Wasser lag still. Ab dem späten Vormittag füllt sich alles.
Wie sich Sharm gegen andere Ziele schlägt
Wir waren in denselben zwei Jahren auch auf den Malediven und auf Mauritius. Der ehrliche Vergleich, jeweils aus eigenem Erleben:
Sicht war auf den Malediven besser — im April 2025 hatten wir dort 29 Grad und rund 25 Meter Sicht am Hausriff. Beim sicheren Treffer spricht dagegen viel für Sharm: Am Bikini Beach von Fulidhoo habe ich gar kein Riff gefunden — hundert Meter raus, und darunter blieb Sand. In Sharm lag das Riff vor der Tür.
Mauritius liegt dazwischen. Vom Strand aus war das Wasser warm und flach, aber ein Riff, das einen umhaut, findet man dort nicht — und an der Brandungsmauer liegen spitze Korallen dicht unter der Oberfläche. Die Manta-Begegnung vor Rasdhoo oder die Haie am Turtle Reef hatten wir dagegen nirgends sonst.
Kurz: Wenn du zum ersten Mal ein tropisches Riff sehen willst und keine Lust auf Logistik hast, ist Sharm die einfachste Antwort. Wenn du ein bestimmtes Tier suchst, nicht.
Ehrlich gesagt
Zwei Dinge, die im Prospekt nicht stehen.
Erstens der Andrang: An den bekannten Riffen und in den Schutzgebieten ist selten viel Platz, und ehrlicherweise gehörte ich zu genau den Leuten, die es voller machen. Wer ein Riff für sich allein sucht, wird hier enttäuscht. Für das, was unten passiert, nimmt man es in Kauf.
Zweitens die Kamera: Meine damalige GoPro 10 stieg ab rund fünfzehn Metern farblich aus, das Rot ging als Erstes verloren. Fürs Schnorcheln in zwei bis fünf Metern ist das egal — beim Tauchen im Ras Mohammed nicht. Was ich inzwischen benutze und warum, steht bei meiner Ausrüstung.
Sharm El Sheikh zum Schnorcheln — kurz & praktisch
- Wo: Südspitze der Sinai-Halbinsel, Ägypten, am Roten Meer. Riffe teils direkt vor dem Hotel, dazu Bootstouren in den Ras-Mohammed-Nationalpark.
- Einfachster Einstieg: Ras Umm Sid am El Fanar Beach (Stadtteil Hadaba) — über den Steg direkt an die Riffkante. Eintritt rund 150 ägyptische Pfund (etwa 3–4 €), Liege und Sonnenschirm inbegriffen.
- Transport: im Hotel nach einem Fahrer fragen. Kontakt über WhatsApp, und ohne SIM-Karte bittet man einfach im Restaurant um den Anruf — das funktionierte bei uns jedes Mal.
- Bestes Hausriff-Erlebnis: Ras Bob (Shark Bay), wenn dir der Weg übers Flachriff nichts ausmacht.
- Wann wir dort waren: Oktober 2025 — 26 Grad Wassertemperatur, rund 20 Meter Sicht, Riff in 2 bis 5 Metern Tiefe. Werte aus meinem Logbuch.
- Ganzjährig möglich, im Winter mit Neopren, im Hochsommer mit Rücksicht auf die Hitze an Land.
- Bester kostenloser Tipp: morgens los, dann hast du das Riff fast allein.
- Riff-Knigge: Feuerkorallen und Feuerfische nicht berühren, Abstand halten, nicht mit der Flosse ins Riff.
- Nicht erwarten: Walhaie, Mantas oder Hammerhaie — die stehen an den Hochsee-Riffen, nicht am Hausriff.
- Tauchen ohne Schein war auf unserer Bootstour direkt buchbar, bis 20 Meter. Wie das ablief, steht im Bericht vom Ras Mohammed.