Tipps
Zwei Jahreszeiten, dasselbe Riff: die Malediven im April und im August
Das Wasser hat neunundzwanzig Grad, und mein Atem im Schnorchel ist das Lauteste, was ich höre. Vom Strand des Bikini Beach auf Rasdhoo sind es rund fünfzig Meter über flaches Riff bis zur Kante. Dann fällt der Grund weg, und wir treiben über der Kante. Meine Frau, mein Sohn und ich. Die Muräne findet mein Sohn. Sie liegt unter einem Felsen, und zu sehen sind ihr Kopf und der lange Schwanz. Sie beobachtet uns und tut sonst nichts. Wir schnorcheln weiter an der Kante entlang, und fünf Minuten später findet er einen Manta. Ein Riffmanta, am nächsten vielleicht zehn Meter entfernt, breit und flach und ohne Eile. Das Wasser ist an diesem Morgen so klar, dass nichts zwischen uns zu stehen scheint. Eine halbe Minute, dann sehen wir ihn nicht mehr. Zwanzig Minuten nach der Muräne sind wir wieder an demselben Felsen. Sie ist weg. Das war der 18. August 2026, in der letzten Woche der Reise. Sechzehn Monate vorher war ich schon einmal an diesem Riff. Da kam kein Manta vorbei.
Falls du gerade überlegst, wann du auf die Malediven fliegen sollst: Willst du das Riff bei viel Licht und ruhiger See sehen, nimm die trockene Zeit von Januar bis März. Auch Mitte April, als wir dort waren, war es noch fast durchgehend sonnig. Sind dir die großen Tiere wichtiger, komm in der Regenzeit von Mitte Mai bis November. Dann ist das Wetter wechselhafter, dafür liegen die Preise deutlich niedriger. Ich selbst würde wieder in der Regenzeit fliegen. Hast du allerdings nur eine Woche Zeit, rate ich dir davon ab. Es kann passieren, dass es viel Regen und Wind gibt und man nicht ins Wasser möchte.
Auf einen Blick
| April 2025 | August 2026 | |
|---|---|---|
| Jahreszeit | Mitte April, Übergang am Ende der trockenen Zeit | Regenzeit (Südwest-Monsun) |
| Wasser am Hausriff von Rasdhoo | 29 °C | 29 °C |
| Sicht dort | rund 25 Meter | rund 25 Meter am Morgen, ab Mittag rund 15 Meter |
| Riffmanta am Hausriff | keiner; einen sahen wir auf einer Bootstour | vom Strand aus, am 18. und am 20. August |
| Wetter | fast durchgehend sonnig | nicht jeden Tag Regen, und wenn, meist stundenweise; zwei Tage mit schlechtem Wetter, einer davon von früh bis spät |
| Unterkunft | — | rund 90 bis 115 Euro pro Nacht für drei Personen, über Booking |
| Ausflüge | Bootstouren zu kleineren Riffen und zu den Mantas; keine Tour zu den Walhaien und keine in die Hanifaru Bay | nichts im Voraus gebucht, vor Ort nach Wetterlage |
Wie sah dasselbe Riff im April aus?
Mitte April 2025 war ich auf Rasdhoo, am Ende der trockenen Zeit. Damals sind wir beim Hotel ins Wasser gegangen, nicht am Bikini Beach. Dasselbe Riff, ein anderer Abschnitt.
Unter Wasser war es fast dasselbe Bild. Haie, Tintenfische, bunte Fische, ziemlich genau dieselben wie sechzehn Monate später. Das Wasser war beide Male gleich warm, und der Blick reichte beide Male gleich weit.
Nur einen Riffmanta habe ich dort im April nicht gesehen.
Einen Manta habe ich damals durchaus gesehen, nur nicht vom Strand aus. Wir hatten eine Bootstour gebucht, und schon beim Buchen sagte man uns im Hotel, es sei gerade nicht die Zeit dafür: gut möglich, dass wir keinen einzigen sehen. Eine halbe Bootsstunde ging es hinaus, und zweimal hielt das Boot umsonst an. Dann lag er zehn Meter unter uns, gut vier Meter von einer Flügelspitze zur anderen.
Sieht man in der Regenzeit mehr große Tiere?
Die Augustreise führte über vier Inseln. Schon am dritten Tag zog ein junger Walhai unter mir durch, auf der Tour ab Dhigurah. Weiter ging es nach Kamadhoo und von dort nach Maalhos. Am Morgen darauf fiel heftiger Monsunregen. Danach wurde es schön, und wir fuhren wie geplant zu zwei Riffen hinaus. Unterwegs hielt das Boot mitten im offenen Wasser an, weil jemand Mantas an einer Putzstation gesehen hatte. Wir sind rein, und sie waren da.
Tags darauf war das Wetter den ganzen Tag schlecht. Wir fuhren nachmittags trotzdem zur Hanifaru Bay, und kaum hatten wir den Hafen verlassen, fing es an zu regnen. In der Bucht stand das Wasser voller Plankton, weit sehen konnte man nicht. Es waren mindestens fünfzig Mantas. In gut einer halben Stunde im Wasser hatte ich vielleicht zwei Minuten lang keinen im Blick. Sie kamen teilweise bis auf einen Meter heran, und manchmal zog ich Arme und Beine ein, so dicht glitten sie unter mir durch.
Ranger passen dort auf, und die Zahl der Schnorchler ist begrenzt. Alle verteilen sich, weil die Bucht groß ist. Bei der Einweisung hieß es: beim Guide bleiben und die Tiere nicht berühren. Nichts zu berühren gilt an jedem Riff: Korallen wachsen jahrzehntelang und sind in einer Sekunde kaputt, und man selbst kommt auch nicht ungeschoren davon: Feuerkorallen nesseln, Feuerfische stechen. Mehr über diesen Nachmittag steht in Hanifaru Bay: mit fünfzig Mantas im Wasser. Im April hatten wir nichts davon gebucht, weder eine Walhai-Tour noch eine Fahrt in die Hanifaru Bay.
Zuletzt ging es nach Rasdhoo. Am Hausriff sahen wir an diesen Tagen außer der Muräne und dem Manta einen Oktopus und einen Giant Triggerfish, einen großen Drückerfisch.
Unser Sohn war mächtig stolz, dass er den Manta vor uns entdeckt hatte. Die Muräne hatte er ja auch schon gefunden.
Am letzten Morgen gingen meine Frau und ich noch einmal hinaus, ohne unseren Sohn. Und da zog wieder ein Riffmanta vorbei, und Haie sahen wir auch. Für uns beide war das ein toller Abschluss der Reise.
Gibt es auf den Malediven eine Manta-Saison?
Eine Saison für das ganze Land gibt es nicht, wohl aber für einzelne Plätze wie die Hanifaru Bay. Laut einer Untersuchung von 2021 in PLOS ONE sind Riffmantas das ganze Jahr in den Atollen und wechseln mit dem Monsun die Seite.
Von Dezember bis März stehen sie an der Westseite der Atolle, von April bis November an der Ostseite, weil der Wind ihr Futter dorthin treibt. Unsere April-Reise lag genau in dem Monat, mit dem der Wechsel beginnt. Ob das den Unterschied an unserem Riff erklärt, weiß ich nicht.
In meinem eigenen Artikel über den ersten Manta vor Rasdhoo stand lange, November bis April sei die Manta-Zeit. Das hatte ich nachgelesen statt erlebt. Ich habe es berichtigt.
Wie ist das Wetter in der Regenzeit?
Die Regenzeit hat auch ihre unangenehmen Seiten. Die erste kam noch vor dem ersten Schnorchelgang. Von Malé aus ging es mit dem Speedboot gut zwei Stunden nach Dhigurah, und mehreren Mitreisenden ging es dabei schlecht. Uns hat es nicht erwischt, mein Sohn ist auf der Fahrt sogar eingeschlafen. Am Ankunftstag war dann der Wellengang vom Strand für ihn zu heftig, und aufgewühlt war das Wasser ohnehin. Wir sind gar nicht erst hineingegangen.
Auf Kamadhoo regnete es einen Vormittag lang immer wieder, dazu Wind. Wir sind über die Insel gelaufen. Nachmittags gingen wir am Bikini Beach dann doch ins Wasser und sahen eine große Schildkröte und einen Riffhai. Für uns war das in Ordnung, allerdings hatten wir drei Wochen Urlaub.
Auf Maalhos wurde uns angeboten, im Dunkeln mit Walhaien zu schnorcheln. Wir sind wegen des schlechten Wetters nicht mitgefahren.
Dass ich trotzdem wieder in der Regenzeit fliegen würde, liegt an den großen Tieren, die ich in dieser Zeit gesehen habe. Der niedrigere Preis kommt dazu.
Mein Fazit
Dasselbe Riff kann zweimal fast gleich aussehen und beim zweiten Mal trotzdem ein Tier mehr haben. Versprochen hat mir das keine Jahreszeit. Frag auf der Insel, was gerade da ist, und leg dich vorher nicht fest. Unsere Ausflüge im August haben wir alle kurzfristig gebucht, je nach Wetterlage. Manchmal haben wir vorher die Leute vor Ort gefragt, ob die Fahrt zu einem Spot gerade sinnvoll ist.
Von Kamadhoo erzähle ich noch in einem eigenen Artikel. Dort fängt das Riff schon dreißig Meter vor dem Strand an.
Häufige Fragen
Wann ist auf den Malediven Regenzeit?
Laut dem Wetterdienst der Malediven dauert die Regenzeit mit dem Südwest-Monsun normalerweise von Mitte Mai bis November. Die trockene Zeit mit dem Nordost-Monsun reicht von Januar bis März, Dezember und April gelten als Übergang (Stand 25.09.2026). Unsere Reise Mitte April lag also im Übergang, am Ende der trockenen Zeit.
Regnet es in der Regenzeit den ganzen Tag?
Nein. Bei uns regnete es im August 2026 nicht jeden Tag, und wenn, meist stundenweise. Einen Tag mit schlechtem Wetter von früh bis spät hatten wir auch, ausgerechnet den Tag in der Hanifaru Bay.
Ist die Sicht in der Regenzeit schlechter?
Am Hausriff von Rasdhoo reichte der Blick im April rund fünfundzwanzig Meter weit, im August am Morgen genauso. Ab Mittag waren es dort rund fünfzehn Meter. Über die ganze Augustreise gerechnet war die Sicht trotzdem schlechter. Der Himmel war häufiger bewölkt, Regen und Wind machten das Wasser bewegter, und vor Dhigurah wirbelten die Wellen den Sand auf.
Braucht man auf den Malediven Mückenschutz?
Ja, pack ihn neben dem Sonnenschutz ein, ein Spray und ein Mittel für nach dem Stich. Unser Sohn hatte sich viele Stiche aufgekratzt, und das Salzwasser brannte darin so, dass er irgendwann nicht mehr ins Wasser wollte. Unter Bäumen sammeln sich die Mücken, schon ein paar Meter Abstand helfen.
Woher die Angaben stammen: Regenzeit und trockene Zeit vom Wetterdienst der Malediven, abgerufen am 25. September 2026. Wo die Mantas je nach Monsun stehen, aus der Untersuchung von Harris und Stevens (2021) in PLOS ONE. Alles Erlebte ist von unseren Reisen im April 2025 und im August 2026.
Weiterlesen
- Mit Mantas schnorcheln auf Rasdhoo: die Bootstour im April 2025, bei der wir den Manta doch noch fanden
- Sicht bei Ebbe, Flut und Regen: woran die Sicht auf den Malediven überhaupt hängt
- Rasdhoo: die Insel mit dem Hausriff aus beiden Reisen
- Dhigurah: wo die Augustreise mit Wind und hohen Wellen begann
- Kamadhoo: der verregnete Vormittag und das Riff dicht vor dem Strand
- Maalhos: von hier ging es zur Putzstation und in die Hanifaru Bay
- Reiseziel-Blatt Malediven: alle Inseln und Monate auf einen Blick